Wien - Von einem Medium, das von sich nicht nur behauptet, "für Leser" geschrieben zu werden, sondern seinen Leserinnen und Lesern in seiner Werbung auch noch Haltung attestiert, kann man mit Fug und Recht ebenjene - Haltung - verlangen. Bloß: Sich selbst auf die Schulter zu klopfen ist peinlich.

Umso schöner also, wenn jemand, der über jeden Zweifel erhaben ist, dickes Lob ausspricht: Freitagabend verliehen die 1999 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten "Ärzte ohne Grenzen" im Rahmen einer stimmungsvoll kerzenlichtbeflackerten Gala im Museumsquartier erstmals den "Medicus" - einen Preis für Leistungen im Dienste der humanitären Hilfe.

Der Medicus soll künftig jährlich vergeben werden. In drei Kategorien wurden Institutionen und Personen ausgezeichnet, die, so Österreichs Ärzte-ohne-Grenzen-Gründer und Präsident Clemens Vlasich, "maßgeblichen Anteil daran hatten, die Augen der Öffentlichkeit für die Notwendigkeit humanitärer Hilfe zu öffnen".

Jährlich vergeben

So wurde das American Institute of Musical Studies für seine Benefizkonzerte in Graz und das Landeskrankenhaus Innsbruck für die Freistellung von Personal ausgezeichnet.

In der Kategorie Medien erhielt STANDARD-Chefredakteur Gerfried Sperl den Medicus: Nicht nur, weil DER STANDARD immer wieder mit spektakulären Aktionen (etwa der symbolischen Verpackung ganzer Ausgaben in Verbandsmaterial) auf die Arbeit der "Médecins sans Frontières" hinweist, sondern weil sich die Arbeit der Hilfsorganisation kontinuierlich und nachhaltig in der Berichterstattung nach-und mitverfolgen lässt.

In einer wirtschaftlich zusehends globalisierten Welt forderte Sperl in seiner Dankesrede dann eine "Globalisierung des Mitgefühls" ein. Ebendiese würden die Ärzte ohne Grenzen perfekt vorexerzieren. (Thomas Rottenberg, Der Standard, Printausgabe, 24.11.2003)