Mailand/Bozen - Vom gegenwärtigen Bauboom in Südtirol profitieren hauptsächlich lokale und norditalienische Firmen. Nur drei Prozent der öffentlichen Aufträge für Bauvorhaben entfielen 2002 auf Unternehmen aus Österreich und Deutschland. Österreichische Unternehmen ließen sich von den mitunter kompliziert klingenden Teilnahmebedingungen abschrecken, heißt es.

Zweifellos seien einige Besonderheiten des italienischen bzw. Südtiroler Vergaberechtes nicht gerade einladend für ausländische Unternehmen. In der Praxis seien die Hemmnisse aber wesentlich kleiner als in der Theorie, sagte der österreichische Handelsdelegierte in Mailand, Michael Pötscher, dem STANDARD.

Zu den Besonderheiten zähle etwas die Notwendigkeit, eine Anti-Mafia-Bestätigung beizubringen. Dieser kompliziert klingenden Forderung könne durch ein formloses Zertifikat nachgekommen werden, wo versichert wird, dass das Unternehmen nichts mit dem organisierten Verbrechen zu tun hat. Der verlangte Eignungsnachweis könne durch die Aufnahme in die so genannte Qualifizierungsliste der Provinz Bozen erbracht werden. Infolge des EU-Diskriminierungsverbotes müsse diese Liste auch Teilnehmern aus anderen EU-Staaten offen stehen.

2002 wurden in Südtirol öffentliche Bauarbeiten im Wert von 666 Mio. Euro vergeben, der Großteil vom Land Südtirol selbst. Anstehende Großprojekte sind etwa der Ausbau des Krankenhauses Bozen bzw. die Errichtung eines neuen urbanistischen Stadtviertels ebendort. (tkb, Der Standard, Printausgabe, 24.11.2003)