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Insolvente Firmen im ersten Halbjahr

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Deutschland kann sich nicht aus den Fängen des Pleitegeiers befreien

Foto: APA/dpa/Martin Gerten
Wien - Im ersten Halbjahr 2003 gab es wieder mehr Firmenpleiten als im Vergleichszeitraum 2002. Insgesamt mussten in Westeuropa in den ersten sechs Monaten 82.004 Firmen Insolvenz anmelden, um 6,8 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2002, geht aus der internationalen Insolvenzstatistik des KSV von Montag hervor.

Auf den ersten Blick rückläufig war die Zahl der Firmenpleiten in Osteuropa: In den offiziellen Statistiken, die mit 14.750 um 2,2 Prozent weniger Insolvenzen ausweisen als im Vorjahreszeitraum, fehlen allerdings fast 25.000 Fälle, die wegen Kapazitätsengpässen noch bei den Gerichten auf die Eröffnung der Verfahrens warten, so der KSV. In Ungarn müsse man die offiziellen Zahlen von 3.832 Pleiten (+16,7 Prozent) mit dem Faktor 3 multiplizieren, in Polen seien abgesehen von den 1.171 registrierten Fällen noch rund 9.000 bekannt.

Unterschiedliche Entwicklung

In den westeuropäischen Ländern war die Entwicklung im ersten Halbjahr höchst unterschiedlich. In Deutschland ist die Zahl der Firmeninsolvenzen neuerlich um 9,1 Prozent gestiegen. In Summe wurden 19.953 Firmen zahlungsunfähig - darunter Grundig und Aero Lloyd - allerdings nicht mehr in der Größenordnung wie 2001. Auch bei der so genannten Insolvenzrate - dem Verhältnis der Insolvenzfälle zur Anzahl der aktiven Unternehmen - hält Deutschland mit 1,9 Prozent mittlerweile den Negativrekord. In Großbritannien liegt dieses Verhältnis im Vergleich dazu bei 0,4 Prozent, in Schweden bei 1 Prozent und in Österreich bei 1,6 Prozent. 2004 dürfe mit einer weiteren Zunahme der Insolvenzen in Deutschland gerechnet werden.

In der zweitgrößten Volkswirtschaft der EU, Frankreich, rollte die Pleitewelle ebenfalls weiter. Mit geschätzten 22.100 Insolvenzen gab es einen Anstieg um 10 Prozent. Die stärkten Zunahmen bei den Insolvenzen verzeichnete in den ersten sechs Monaten allerdings Portugal mit plus 62,1 Prozent auf 1.559 Fälle sowie die Niederlande, wo mit 4.195 zahlungsunfähigen Firmen ein Plus von knapp einem Drittel verzeichnet wurde.

Wenige Ausnahmen

Verbessert hat sich die Situation nur in Dänemark, wo es ein Minus von 12,5 Prozent gab, in Finnland mit minus 6 Prozent, in Großbritannien mit minus 5,9 Prozent, Schweden mit minus 5,1 Prozent und Österreich, wo die Zahl der Firmenkonkurse und Ausgleiche in der ersten Jahreshälfte um 3,5 Prozent auf 2.652 zurückging.

In Japan sank die Zahl der Insolvenzen um 9 Prozent auf 8.984, in den USA stieg sie um 5,2 Prozent auf 20.477. Kanada verzeichnete ein Minus von 9,1 Prozent auf 4.691. (APA)