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Wo sind die neuen Jugendjobs? - Vizekanzler Hubert Gorbach und Bundeskanzler Wolfgang Schuessel beim Gipfel für Jugendbeschaeftigung.

REUTERS/HEINZ-PETER BADER
Wien - Sechs Regierungsmitglieder vom Kanzler abwärts, fünf Landeshauptmänner, vier Sozialpartnerpräsidenten, der neue Lehrlingsbeauftragte der Bundesregierung, Egon Blum, die Chefs des Arbeitsmarktservice und jede Menge Praktiker fanden sich am Montag im Schauraum eines großen Wiener Autohauses ein. Nicht um eine neue Dienstwagenflotte ging es, sondern um die zuletzt kräftig gestiegene Jugendarbeitslosigkeit.

Arbeitsminister Martin Bartenstein blieb es vorbehalten, die konkrete Botschaft zu verkünden. Aus den Reserven des Insolvenzentgeltfonds stellt der Bund für das kommende Jahr 25 Millionen Euro zur Verfügung. Die Mittel sollen arbeitslosen Jugendlichen zwischen 19 und 24 Jahren zugute kommen, um etwa einen Lehrabschluss nachzuholen.

Jobs for You(th)

Vergeben wird das Geld vom Arbeitsmarktservice unter dem Programmtitel "Jobs for You(th)". Für 5000 Jugendliche sollen so über AMS-Kurse neue Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen werden. Das Programm gab es bereits 2002. Bartenstein rief die Bundesländer dazu auf, die Bundesmittel entsprechend zu ergänzen.

Gudrun Biffl, Arbeitsmarktexpertin am Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo), sagte zum STANDARD, prinzipiell sei die Initiative zu begrüßen, allerdings fehle bisher das nötige institutionalisierte Weiterbildungssystem dahinter.

Nicht nur die Sozialpartnerausbildungseinrichtungen Wifi oder bfi sollten in den Genuss der Kursmittel kommen, etwa auch Berufsbildende Höhere Schulen sollten sich bewerben können. Es müsse ein "echter Markt" entstehen.

Module, Zertifikate

Biffl: "Was fehlt sind zertifizierte, berufsorientierte Weiterbildungsmodule, etwa für arbeitslose junge Elektriker, die sich in Richtung Elektronik weiterbilden wollen. Die Lehrberufe sind zu sehr verengt, die Weiterbildung über das AMS reicht nicht aus."

Der neue Lehrlingsbeauftragte der Bundesregierung, Egon Blum, technischer Leiter der gleichnamigen Vorarlberger Beschlägefirma, sprach sich für neue spezielle Ausbildungssysteme aus, die auf die Bedürfnisse lernschwacher Jugendlicher ausgerichtet sind.

Als konkreten Plan nannte Blum die Schaffung von überbetrieblichen Ausbildungsstätten, wobei er die Bauwirtschaft als Vorbild nannte. Nicht mehr ansprechen will Blum offenbar das von ihm in Vorarlberg mitentwickelte Lehrlingsfonds-Modell, wo nicht ausbildende Betriebe einzahlen müssen und Ausbildungsbetriebe Förderungen erhalten.

"Begräbnis 1. Klasse"

Der Bundes-ÖVP ist dieses Modell seit jeher ein Dorn im Auge, Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl verkündete bereits ein "Begräbnis 1. Klasse" und stieß damit bei ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch auf heftige Kritik.

Kanzler Wolfgang Schüssel und Vizekanzler Hubert Gorbach bezeichneten die Jugendbeschäftigung als "wichtigstes Anliegen" der Regierung, auch wenn Österreich die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit Europas habe.

Denn die Entwicklung sei Besorgnis erregend. Im Lehrstellenbereich sank im Oktober die Zahl der offenen Lehrstellen um elf Prozent auf 2400 Plätze, während die Zahl der Lehrstellensuchenden um 26,4 Prozent auf 6300 stieg.

In der Alterskategorie 15 bis 25 Jahre waren im Oktober 39.137 junge Menschen ohne Job, ein überdurchschnittlicher Anstieg um mehr als sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr.(DER STANDARD Printausgabe, 25.11.2003, Michael Bachner)