Wien - Seit dem Frühjahr nutzt das Wiener Sigmund Freud Museum das Schaufenster einer ehemaligen Fleischerei in der Berggasse als temporären Kunstraum. Die Ausstellungsreihe "Außenansicht / A View from Outside" setzt psychoanalytische Fragestellungen und aktuelle Kunst miteinander in Beziehung und präsentiert die künstlerischen Aktivitäten des Museums im öffentlichen Raum.

Nach dem Konzeptkünstler Joseph Kossuth wurde die amerikanische Bildhauerin Louise Bourgeois eingeladen, eine Installation zu kreieren. "The Reticent Child (Das verschlossene Kind)" wurde am Dienstag erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Bourgeois hat einen Geburtszyklus aus sechs Figuren, gefertigt aus hautfarbenem Strickstoff und Marmor, geschaffen: eine schwangere Frau, ein Embryo im Mutterleib, eine Geburt, ein zusammen gekauerter Säugling im Bett und ein stehender Knabe, der die Hände vor das Gesicht hält. Das "verschlossene Kind" stellt den Sohn der Künstlerin dar, wie die Kuratorin Wiesener erläuterte. Bourgeois setze sich in dieser Arbeit mit der Frage auseinander, ob die Verschlossenheit ihres Sohnes mit seiner verspäteten Geburt zusammen hänge. Die Künstlerin setzt sich in ihrer Arbeit immer mit Problemen auseinander und bezeichnet ihre Kunst als ihre "Psychoanalyse".

Bourgeois zählt zu den bedeutendsten Bildhauerinnen des 20. Jahrhunderts. Geboren 1911 in Paris, zog sie 1938 nach New York, wo sie bis heute lebt und arbeitet. Das Spektrum ihres Werks reicht von abstrakten bis zu gegenständlichen Arbeiten, von Zeichnungen bis zu großen Installationen. In ihren Werken thematisiert Bourgeois den menschlichen Körper, zwischenmenschliche Beziehungen, Ängste, Obsessionen und die komplexe Rolle der Erinnerung.

(APA)