Sie mausert sich schön langsam zum Mythos: Jene Dokumentation über die "Kronen Zeitung" der belgischen Filmemacherin Nathalie Borgers, bisher zwar im heimischen Kino und auf Arte, aber nicht im ORF zu sehen. Das wird auch so bleiben, bekräftigte Wolfgang Lorenz, Planungschef des öffentlich-rechtlichen Senders, am Montagabend bei einer gut besuchten Podiumsdiskussion im Wiener Depot. Der Film sei keine Dokumentation im ORF-Stil und darüber hinaus mittlerweile "obsolet" geworden. Was Borgers selbst zurückwies: Es gehe darin um Politik und Manipulation, "das ist nicht obsolet".

"Krone" mit "fremdem Blick" betrachtet

Schützenhilfe erhielt sie vom Kommunikationswissenschafter Wolfgang Langenbucher, der es schlicht als "verdammte Pflicht" für den ORF bezeichnete, die Doku zu senden. Dass die "Krone" mit einem "fremden Blick" betrachtet werde, wie beim ORF moniert wird, sei zu begrüßen, sei doch die heimische Medienszene viel zu "verbandelt", um das Phänomen "Kronen Zeitung" mit der nötigen Distanz zu behandeln. Und jene Szene, in der "Krone"-Chef Hans Dichand und Bundespräsident Thomas Klestil beim trauten Kaffee- und Gugelhupf-Plausch zu sehen sind, sei von "zeitloser Schönheit".

Eine "patscherte Geschichte"

Langenbuchers Schönheitssinn wurde nicht nur vom anwesenden Depot-Publikum geteilt, auch die ORF-Gremien haben sich schon dafür ausgesprochen, den Film auszustrahlen. Lorenz aber blieb dabei: Das Ganze sei mittlerweile einfach eine "patscherte Geschichte", da es auch die österreichische Produktionsfirma Navigator Film verabsäumt hatte, vor Drehstart Kontakt mit dem ORF aufzunehmen. Dies sei eine dezidierte Entscheidung gewesen, konterte Navigator-Chef Johannes Rosenberger. Man habe "so unabhängig wie möglich" arbeiten wollen.

Aus der Rolle des klassischen "Bad Guy" gab es für Lorenz jedenfalls am Montagabend kein Entrinnen. Das Publikum nutzte seine Anwesenheit gleich dafür, Unmut über "Zeit im Bild", "Bachelor" und andere missliebige Entwicklungen im ORF zu deponieren. Ein Ausweg aus der "patscherten Geschichte" war indes nicht in Sicht. Oder ist gar eine "Krone-Soap", wie ein Scherzbold am Rande vorschlug, eine Lösung? "Das ist jetzt sehr in Mode", meinte Borgers schelmisch in Richtung Lorenz. (APA)