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Desillusioniertes Hertha-Triumvirat: Trainer Huub Stevens, Manager Dieter Hoeneß (re) und Co Holger Gehrke (li)

Foto: APA/EPA
Berlin Fußball-Bundesligist Hertha BSC Berlin hat auf die sportliche Talfahrt der letzten Monate reagiert und das Saisonziel für die laufende Spielzeit nach unten korrigiert. Manager Dieter Hoeneß warf auf der Mitgliederversammlung des Klubs am Montagabend alle Hoffnungen auf einen internationalen Wettbewerb über Bord und erklärte die Restspielzeit zu einem reinen Überlebenskampf. Die knapp 900 Mitglieder quittierten die Leistung des Tabellen-15. mit Pfiffen und ließen sich auch von der guten wirtschaftlichen Entwicklung des Klubs kaum beeindrucken.

"In dieser Saison geht es für uns nur noch um den Klassenerhalt. Und der Weg aus dem Keller ist sehr steinig", sagte Hoeneß und stimmte die Mitglieder in seiner 18-minütigen Rede auf den Abstiegskampf ein. Erstmals sprach der Manager von einer "schweren Krise" des Klubs. Dementsprechend schwer fällt es, die "alte Dame" zu verstärken. Hoeneß: "Auch bei uns standen Andreas Hinkel und Kevin Kuranyi auf dem Zettel, doch wir können ihnen augenblicklich keine Perspektive bieten." Die sportliche Misere habe dem Verein einen deutlichen Imageschaden zugefügt. Trotzdem werde man, so Hoeneß, am Ende gestärkt aus dieser Krise herausgehen: "Und das mit Trainer Stevens."

Harsche Kritik am Trainer

Doch an Stevens schieden sich im Kongresszentrum unterm Funkturm erneut die Geister. Als der Coach samt Mannschaft im feinen Hertha-Ausgehanzug die Bühne betrat, übertönte ein lautes Pfeifkonzert die wenigen Beifallsbekundungen. Einige Fans skandierten die Namen der Ex-Trainer Jürgen Röber und Falko Götz. Mit markigen Sprüchen machten die Mitglieder ihrer Wut über die sportliche Stagnation Luft. Seit dem Wechsel von Stevens zur Hertha im Sommer 2002 habe die Mannschaft nur selten überzeugt, lautete einer der Hauptkritikpunkte.

Wesentlich mehr Respekt wurde Manager Hoeneß entgegengebracht, doch auch der Boss musste sich Unmutsäußerungen gefallen lassen. Vor allem seine Einkaufspolitik geriet ins Visier der Kritiker. "Mit Artur Wichniarek und Fredi Bobic wurden angeblich 26 Tore aus der Vorsaison eingekauft, doch mittlerweile sitzen die bei uns nur noch auf der Bank." Auch an Neuzugang Niko Kovac ließen die Mitglieder kein gutes Haar. Der Hinweis von Hoeneß, dass sich die Mannschaft im Umbruch befinden würde, nahmen viele als nervige Dauerausrede auf.

Schulden abgebaut

Nur kurzzeitig für Beruhigung sorgte die Veröffentlichung der Wirtschaftsbilanz der vergangenen Saison. Der Klub vermeldete für die Spielzeit 2002/2003 einen Umsatz von 69,2 Millionen Euro. Das bedeutete eine Steigerung von 9,2 Millionen Euro im Vergleich zum Jahr zuvor und gleichzeitig Vereinsrekord. Die Verbindlichkeiten wurden von 16,9 auf 16,8 Millionen Euro leicht gesenkt. Die Mitgliederzahl stieg beständig auf 11.228 Herthaner. Damit nimmt der Klub in Deutschland Platz acht ein. Präsident Bernd Schiphorst, der keinen Zweifel an seiner Loyalität zu Manager Hoeneß ließ, sah trotz der guten Zahlen Grund zur Sorge: "Wir machen Verluste und können uns keine großen Sprünge mehr erlauben. Für uns geht es in nächster Zeit darum, neue Spielräume für Investitionen zu schaffen." (sid)

Deutschland - 13. Runde:

Samstag:
  • Wolfsburg - Mönchengladbach 1:3 (1:1)
  • Stuttgart - Hannover 96 3:1 (1:0)
  • Werder Bremen - Bochum 3:1 (2:0)
  • Köln - Hamburger SV 0:1 (0:1)
  • 1860 München - Bayern München 0:1 (0:1)
  • Dortmund - Bayer Leverkusen 2:2 (2:1)
  • Schalke 04 - Hansa Rostock 0:1 (0:0)

    Sonntag:

  • 1. FC Kaiserslautern - Hertha BSC 4:2 (0:2)
  • SC Freiburg - Eintracht Frankfurt 1:0 (0:0)