Wien - "Niemand muss sich aus Scham oder Angst verstecken. Jedes Opfer einer Gewalttat sollte sich unverzüglich bei der Exekutive melden, um Hilfe zu erhalten", appellierte Innenminister Ernst Strasser anlässlich der "16 Tage gegen Gewalt an Frauen" an alle Opfer. Strasser machte auf das am 1. Mai 1997 in Kraft getretene Bundesgesetz zum Schutz vor Gewalt in der Familie aufmerksam. Damit sei die Möglichkeit eingeräumt, effektiv und rasch gegen Tätlichkeiten in der Familie einzuschreiten. Die Exekutive könne Gewalttäter aus der Wohnung der betroffenen Person wegweisen und ihm das Betreten für zehn Tage untersagen. Im Jahr 2002 seien in 3.944 Fällen solche Betretungsverbote ausgesprochen worden und 7.391 Mal mussten Beamte zu Streitschlichtungen im häuslichen Bereich eingreifen.

Wegweisungen gestiegen

Laut SPÖ-Abgeordneter Ulrike Königsberger-Ludwig ist die Zahl der Wegweisungen und Betretungsverbote um 14 Prozent im Vergleich zum Jahr 2001 gestiegen. Auch die Anzahl der Streitschlichtungen im häuslichen Bereich habe sich von 6.833 auf 7.391 erhöht. "Es ist erfreulich, dass Prävention in der Sicherheitsvorsorge eine immer größere Rolle spielt", sagte Königsberger-Ludwig.

Um den Opfern eine professionelle Betreuung zukommen zu lassen, wurde ein flächendeckendes Netz an Interventionsstellen aufgebaut, wo Opfer beraten und psychologisch unterstützt werden, erklärte Strasser.

Stillschweigen

"Gewalt gegen Frauen ist eines der größten Verbrechen, über das am meisten geschwiegen wird", sagte Kathi Kreissl, Bundesvorsitzende der Aktion kritischer SchülerInnen. "Wo Gewalt beginnt, beginnt auch das Stillschweigen." (APA)