Wien - Keine Zeichen eines Aufschwungs sieht die Bundessparte Industrie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO). "Die Industriekonjunktur befindet sich in Warteposition", konstatiert Wolfgang Damianisch, Geschäftsführer der WKO-Industriesparte, in Anbetracht der Daten zum dritten Quartal 2003. Es gebe eine Diskrepanz zwischen besserer Stimmung und tatsächlichen Werten.

Zwar zeichnet sich ein Silberstreif am Horizont ab - eine leichte Zunahme der verzeichneten Auftragseingänge - , aber Aufträge alleine machen noch keine bessere Konjunkturlage: Die tatsächliche Produktion sei weiterhin rückläufig ebenso wie die Zahl der Arbeitsplätze (siehe Grafik). Der Produktionsrückgang im ersten Halbjahr habe 1,1 Prozent betragen, "das ist für diesen Zeitraum eine Rezession, anders kann man es nicht sagen", bedauert Damianisch. Im heurigen Jahr würden dadurch im Industriebereich zwischen 10.000 und 15.000 Jobs verloren gehen, sagt Damianisch; um die Zahl der Beschäftigten zu halten, sei ein Wachstum von drei Prozent erforderlich.

2003 sei damit das dritte Jahr der Flaute. Aber es sei "zu erwarten, dass allmählich Selbstheilungskräfte wirksam werden": Angeregt durch technologische Erneuerungen würde der Konsum wieder anspringen, sowohl bei Privaten als auch bei Unternehmen, die einen Investitionsstau hätten.

US-Entwicklung zeigt noch keine Auswirkungen

Für eine Erholung sei Österreich auf ein Anspringen der internationalen Konjunktur und insbesondere der deutschen Wirtschaft angewiesen, sagt Damianisch. 60 Prozent der Exporte gehen in den EU-Raum. Die starke US-Entwicklung habe auf Österreich noch keine positive Auswirkungen, denn der Kapitalfluss in den starken Euro gefährde den Export von Konsumprodukten. "An den Exportdaten ist das bereits zu merken."

Zwei Forderungen richtete Damianisch an die Bundesregierung: Eine Verstärkung der Forschungsaufwendungen - "es ist zu wenig frisches Geld bei den zusätzlichen 125 Mio. Euro für die Forschung", eine Aufstockung auf wenigstens 200 Mio. sei nötig, um die angestrebte Forschungsquote von 2,5 Prozent zu erreichen. Und er warnte davor, dass die Industrie durch die Emissionsziele des Kioto-Vertrags übermäßig belastet werde. In den vergangenen zehn Jahren sei hier bereits viel passiert: Bei einer Erhöhung der Produktion um 50 Prozent seien die Emissionen nur drei Prozent gewachsen; jetzt müssten Verbesserungen vor allem beim Hausbrand und beim Verkehr erzielt werden. (DER STANDARD Printausgabe, 26.11.2003,spu)