Zahl der Aidskranken nimmt weltweit zu

Speziell in ärmeren Ländern nimmt die Zahl der HIV-Infizierten und der Aids-Todesopfer weiterhin zu, berichtet die UN-Organisation Unaids. Aber auch in den Industriestaaten gibt es Hinweise auf mehr Neuinfizierungen. Zudem sinkt in den westlichen Ländern die Vorsicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten.

London/Genf - Mehr Infizierte, mehr Tote - in manchen Ländern im Süden Afrikas eine schreckliche Balance zwischen Neuinfektionen und Todesfällen: Das ist die Bilanz, die die UN-Organisation Unaids zum "Welt-Aids-Tag 2003" (1. Dezember, Motto: "Leben und leben lassen") am Dienstag zog.

Demnach sind weltweit 40 Millionen Menschen HIV-positiv - 1999 waren es 34 Millionen (siehe Grafik). Fünf Millionen infizierten sich in diesem Jahr neu, drei Millionen starben heuer an der Immunschwächekrankheit.

"Einzelne Regierungen und der Welt-Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria haben bedeutende neue Geldversprechungen gemacht. Doch zur selben Zeit setzt die Epidemie ihren tödlichen Marsch um den Globus fort. Es gibt wenige Zeichen einer Verlangsamung. Im vergangenen Jahr haben sich pro Minute zehn Menschen neu infiziert. In den am ärgsten betroffenen Regionen stürzt die Lebenserwartung ab", stellte dazu UN-Generalsekretär Kofi Annan fest.

Wie Unaids-Experten vorrechnen, entspricht in mehreren Staaten der Subsahara die hohe Aidssterblichkeit bereits der Rate der Neuinfektionen. "Bei fast nicht vorhandenen Programmen zur HIV-Prävention oder zur Behandlung ergibt sich ein endloser Kreislauf aus Krankheit und Tod", heißt es in dem Bericht.

Doch auch in großen Teilen der restlichen Welt ist die Situation Besorgnis erregend. In Russland sind (geschätzt) bereits eine Million Menschen mit HIV infiziert, im übrigen Osteuropa und in Zentralasien sind es 1,5 Millionen.

Keine Entwarnung

Keine Entwarnung bezüglich Aids gibt es für die Industriestaaten, wo derzeit rund 1,6 Millionen HIV-Positive leben und sich im Jahr 2003 rund 80.000 neue infizierten (18.000 Todesopfer). Laut neuesten Daten geht dort zwar weiterhin die Zahl der Aids-Todesopfer zurück, doch es gibt auch Anzeichen für ein Ansteigen der Infektionszahlen. "Sex zwischen Männern bleibt eine große Gefahrenquelle in den meisten Staaten mit hohem Bruttoinlandsprodukt (BIP). In Griechenland, Deutschland und den Niederlanden ist das die häufigste Form der HIV-Übertragung."

Auf zunehmenden Verlust des Risikobewusstseins in den westlichen Industriestaaten deutet laut Unaids auch noch eine andere Entwicklung hin: "Der Wiederanstieg der Zahl anderer sexuell übertragbarer Krankheiten in Australien, Japan, Westeuropa und den Vereinigten Staaten deutet auf eine Wiederkehr von Hochrisikoverhalten beim Sex hin; speziell unter jungen Menschen und Homosexuellen."

Der Zugang zur modernen Kombinationstherapie gegen Aids hat sich gerade in jüngster Zeit verbessert. Bis Ende 2005 wollen die internationalen Organisationen drei Millionen Menschen neu in Behandlung bringen.

Therapiekosten fallen

Die Kosten für die am besten wirksame Dreifachtherapie haben sich für ärmere Staaten von umgerechnet bis zu 10.000 Euro auf bis zu unter 250 Euro reduziert, doch auch das können sich noch immer viel zu wenige Menschen leisten.

Laut Unaids werden die Kosten für Präventions-, Behandlungs- und Versorgungsprojekte in Staaten mit niedrigem und mittlerem BIP weiterhin signifikant steigen und im Jahr 2007 umgerechnet rund 12,6 Milliarden Euro erreichen. (AFP, dpa/DER STANDARD, Printausgabe, 26.11.2003)