Hamburg - Der Germanist Peter Wapnewski, Gründungsrektor des Berliner Wissenschaftskollegs, hat seine Mitgliedschaft in der NSDAP eingeräumt. Sein damaliger "Scharführer" habe ihn vermutlich 1938/39 zum Eintritt in die Partei der Nationalsozialisten gedrängt, schreibt Wapnewski in einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Beitrag für die "Zeit". Er könne sich zwar nicht erinnern, dem Parteieintritt zugestimmt zu haben, von einem Versehen oder einem Irrtum wolle er aber auch nicht sprechen, schreibt Wapnewski.

"Niemals hat ein Funktionär mir oder meiner Familie meine Aufnahme in die Partei mitgeteilt. Niemals habe ich einen Mitgliedsausweis erhalten; und ebenso wenig die Kenntnis einer Mitgliedsnummer", erklärte Wapnewski. Wapnewski wurde dem Vorabbericht zufolge 1943 von einem Kriegsgericht wegen "Wehrkraftzersetzung" angeklagt. Er reagierte mit seinem Beitrag auf das in Kürze erscheinende "Internationale Germanistenlexikon", in dem über die NSDAP-Mitgliedschaft namhafter deutscher Germanisten berichtet wird, neben Wapnewski genannt werden unter anderem Walter Höllerer, Walter Jens und Arthur Henkel. (APA/AP)