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Foto: REUTERS/Pool/David Silverman
Freund und Feind warten darauf, dass Ariel Sharon sie endlich darüber aufklärt, was genau er mit den immer wieder angekündigten "schmerzhaften Kompromissen" meint, eine Formel, die Israels Premier neuerdings durch Andeutungen über "einseitige Schritte" noch interessanter zu machen pflegt.

"Es ist klar, dass wir am Ende nicht an allen Orten sein werden, an denen wir uns jetzt befinden", sagte Sharon am Donnerstag und bestätigte damit seine prinzipielle Bereitschaft zu territorialen Zugeständnissen. Auf konkrete Pläne ließ er sich aber wieder nicht festlegen. Auch die Frage, ob er Netzarim aufgeben wolle, jene isolierte kleine Siedlung im Gazastreifen, die jetzt täglich als erste Kandidatin für eine Räumung genannt wird, blockte Sharon ab: "Ich habe nicht die Absicht, irgendeine Zusage in Bezug auf irgendeinen Ort zu machen."

"Einseitig"

Die nicht präzisierten "einseitigen" Maßnahmen sind von Sharon dabei als Ausweichkurs für den Fall gedacht, dass erwartete Verhandlungen mit der neuen Autonomieregierung unter Ahmed Korei scheitern. Er habe den Palästinensern gesagt, dass für die Gespräche, die auf der Basis der Roadmap zu einem palästinensischen Staat führen sollen, "keine unbegrenzte Zeit zur Verfügung steht", warnte Sharon, "auch unsere Geduld hat Grenzen".

Für zusätzliche Verwirrung hatte Israels Vizeverteidigungsminister Zeev Boim gesorgt, als er bestätigte, dass ein Teil der ohne Genehmigung errichteten "Siedlungsvorposten" legalisiert werden soll, obwohl laut Roadmap alle Vorposten entfernt werden müssen. Oppositionschef Shimon Peres erkannte in Sharons Worten "nichts Neues". Linksgerichtete Politiker werfen dem Premier vor, er wolle durch seine vagen Ankündigungen bloß den Anschein von Bewegung erwecken. (DER STANDARD, Printausgabe, 28.11.2003)