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Foto: apa/dpa/weigel
Göttingen - Eine neue Technologie zur Versorgung eines zahnlosen Oberkiefers mit Implantaten und Prothesen erproben deutsche Wissenschaftler. Die Basis ist eine computergestützte Planung der Implantation sowie die ebenfalls computergestützte Fertigung von Bohrschablone und Zahnersatz. Dadurch wird die Operationszeit deutlich kürzer und das Zahnfleisch muss nicht mehr eröffnet werden, berichten Experten auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Implantologie in Göttingen.

Probleme bei nur einem Zahn

Aufwändige Operationen an komplizierten Strukturen des Gesichtsschädels, beispielsweise bei Tumoren, komplexen Fehlbildungen oder schweren Verletzungen, werden schon seit Jahren am Computer simuliert und geplant. Digitale Schichtaufnahmen von Computer und Magnetresonanztomographie sind das Rohmaterial für dreidimensionale Modelle. Ähnliche Techniken erproben Chirurgen und Zahnmediziner inzwischen auch bei der Implantation künstlicher Zahnwurzeln.

"Besonders wichtig ist diese Technik bislang bei langjähriger Zahnlosigkeit von Ober- oder Unterkiefer", so Friedrich W. Neukam von der Klinik für Chirurgie Universität Erlangen-Nürnberg. Soll ein einzelner Zahn ersetzt oder ein teilweise bezahnter Kiefer versorgt werden, gibt es jedoch noch Probleme. Die CT-Aufnahme bietet sozusagen die Grundlage für die Schaffung eines dreidimensionalen Modells und den optimalen Sitz.

Das Modell zeigt genau, wo ein ausreichendes Knochenangebot zur Verfügung steht. "Gleichzeitig kann der Mediziner auch die prothetische Versorgung neu planen oder eine existierende Prothese berücksichtigen", so Neukam. Die Daten werden anschließend in ein Speziallabor geschickt, indem eine so genannte Bohrschablone angefertigt wird. "Gleichzeitig wird auch der neue Zahnersatz hergestellt, der entsprechend der Planung mit hoher Präzision gefertigt wird", führt der Mediziner aus.

Nach einer Stunde ist alles vorbei

Beim Eingriff sorgt die Bohrschablone im Mund des Patienten dafür, dass die Implantate exakt nach der Planung gesetzt werden, denn diese Schablone dient als eine Art Führungsschiene für den Bohrer, mit dem der Zahnarzt die Löcher mit einem Durchmesser von etwa vier Millimetern für die Implantate in den Kieferknochen bohrt.

Das Zahnfleisch muss dabei nicht großflächig geöffnet werden. "Unmittelbar nach der Implantation kann der Zahnarzt dann den genau vorgefertigten Zahnersatz auf den Implantaten verankern", erklärt Neukam. In einer Stunde ist der gesamte Eingriff erledigt. "Die Operationszeit ist deutlich kürzer und der Eingriff weniger invasiv", betont Neukam. Entscheidend sei bei der gesamten Technologie allerdings die exakte Planung. Dazu müsse der Zahnarzt speziell geschult werden. (pte)