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Ab 2004 wird der "gläserene Hund" Realität.

Foto: Reuters/ALEXANDER DEMIANCHUK

Wien - Die Hunde bellen noch - aber die Karawane zieht nicht mehr weiter: Sie ist angekommen. Denn am Donnerstag beschloss der Wiener Landtag den Entwurf jenes Gesetzes zur Abänderung des Wiener Tierschutz- und Tierhaltegesetzes, mit dem in Zukunft - ab dem 1. Jänner 2004 - der "gläserne Hund" Realität sein wird: Ab Beginn des nächsten Jahres ist in Wien die verpflichtende elektronische Kennzeichnung aller Wiener Hunde, die älter als drei Monate sind, vorgeschrieben.

Betroffen von dem neuen Gesetz sind die rund 47.000 in Wien gemeldeten Hunde und ihre Besitzer. Ersteren wird ein Chip unter das Fell implantiert, Zweitere müssen dafür beim Tierarzt zwischen 40 und 50 Euro hinlegen. Für Hunde, die älter als drei Monate sind, gilt eine einjährige Übergangsfrist - natürlich müssten auch die nicht gemeldeten Hunde (die Dunkelziffer ist etwa doppelt so hoch wie die Zahl der "legalen" Stadthunde) gechippt werden.

Über den Chip wird es in Zukunft möglich sein, neben sämtlichen Daten des Hundes aus einem nun zu schaffenden zentralen Bello-Melderegister auch Namen und Adresse des Halters oder der Halterin abzurufen. Ausdrücklich vorgesehen ist auch, Informationen über Vorfälle - etwa Zwischenfälle mit Bissverletzungen - und Impfungen abzuspeichern. Lesegeräte werden bei Tierärzten und beim Veterinäramt stehen.

Die Verabschiedung des Gesetzes am Donnerstag im Wiener Landtag war nur noch Formsache, die Landesregierung hatte das Gesetz schon im September beschlossen.

Nebenbei: Ob ein Hundebesitzer sich an die gesetzlich vorgeschriebene Hundstrümmerl-Wegräumpflicht hält oder nicht, wird aus den Chipdaten nicht ersichtlich werden - nicht zuletzt, weil die Wegräumverordnung ohnehin weder exekutiert noch befolgt wird.

NÖ: Freiwillig

Nicht verpflichtend, sondern auf freiwilliger Basis sollen Haustiere - neben Hunden zum Beispiel auch Katzen und Kaninchen - in Niederösterreich gechippt werden: Um "verlorene Tiere den Besitzern rasch wieder zurückgeben zu können" haben Tierschutzabteilung, Tierärztekammer und Tierschutzvereine des Landes Mitte 2002 die "Initiative Mikrochip" ins Leben gerufen. Kosten pro Auftrag: rund 50 Euro. Für die Tiere soll die Implantation schmerzfrei sei.

An eine gesetzliche Chipregelung wie in Wien sei derzeit nicht gedacht, erläuterte die Tierschutzverantwortliche des Landes, die Landeshauptmannstellvertreterin Heidemaria Onodi (SP). Mit den vergangenes Jahr diskutierten Regeln für die Hundehaltung, die Beißkorb und Leine nur bei Hunden über 30 Zentimeter Schulterhöhe vorsahen - was zunächst bei der überprüfungspflichtigen Gendarmerie zu Protesten und dann zur Rücknahme der "Messanleitung" führte - hat sie politisch nichts zu tun: Das "Mitführen und Verwahren von Hunden" ist in Niederösterreich im Polizeistrafgesetz geregelt.

Die Tiroler Landesregierung hat im März einen "Hundeführerschein" eingeführt. Die Besitzer bestimmter Rassen wie Rottweiler oder Bullterrier müssen nachweisen, dass sie psychisch und physisch zu deren Haltung geeignet sind. Kommenden Sommer wird darüber hinaus eine neue EU-Bestimmung gültig: Mit dem ab dann gültigen amtlichen "Heimtierpass" kann in Zukunft jeder Haustierhalter beim Grenzübertritt von einem EU-Land ins andere nachweisen, dass sein Liebling gegen Tollwut und andere Krankheiten geimpft ist. (DER STANDARD, Printausgabe 28.11.2003)