Linz - Ein bisher in Österreich einmaliges Pilot-Projekt wird jetzt in Oberösterreich gestartet: Eine spezielle Hotline für gewalttätige Männer. Sie können anrufen und sich anonym über Beratungs- und Therapieangebote informieren. Die Erfahrung zeigt, dass ein Großteil der "Prügler" durchaus bereit ist, sich gegen seine Aggressionen und gewalttätigen Ausbrüche helfen zu lassen.

Start im Dezember

Das Pilot-Projekt wird von der EU getragen, neben der Männerberatungsstelle Oberösterreich machen noch Luxemburg und die Stadt Hamburg mit. Der Bund und das Land Oberösterreich fördern das Projekt. Die Telefon-Hotline unter der Nummer 0820/439258 startet im Dezember, das Projekt läuft bis Mai 2004.

"Durch diese Telefon-Hotline wird den Tätern eine möglichst niederschwellige professionelle Beratung angeboten. Ziel ist, die Täter zum endgültigen Ausstieg aus dem Gewaltkreislauf zu bewegen", erläuterte Landesrat Stockinger. Die Psychotherapeuten sind davon überzeugt, dass viele zur Gewalt neigende Männer durchaus bereit sind, freiwillig Beratung in Anspruch zu nehmen. Die Erfahrungen der Männerberatungsstelle Oberösterreich zeigen auch, dass die selbst gewählte Therapie ungleich mehr Erfolg verspricht als eine vom Gericht angeordnete.

Es wird geschätzt, dass etwa jeder fünfte Mann irgendwann in seinem Leben gegenüber der Partnerin körperlich gewalttätig wird. "Derzeit wird der Bereich der organisierten Kriminalität weitgehend überschätzt und der Bereich der häuslichen Gewalt unterschätzt", so Waidhofer.

Keine Schichtfrage

Gewalt sei auch nicht, so Lempert, das Problem nur bestimmter gesellschaftlicher Kreise, vielmehr "kommt sie in allen sozialen Schichten und in allen Altersgruppen vor". Zugleich sei häusliche Gewalt immer noch ein Tabu, "in der Öffentlichkeit werden häusliche Gewalttaten verharmlost, heruntergespielt oder - oft aus Angst oder Scham - verschwiegen", so die Psychotherapeuten.

Viele Männer haben nach Gewalttaten ein schlechtes Gewissen, sie können sich selbst nicht erklären, wie es dazu kommen konnte. Männer empfinden Gewalt als "etwas Unberechenbares, auf das sie keinen Einfluss haben", erläuterte Waidhofer, "damit gibt der Mann aber seine Verantwortung ab und dem Opfer die Schuld. Versprechungen, es nicht mehr zu tun, fruchten nichts. Der Mann macht es immer wieder".

Letztlich sei, so die Psychotherapeuten, die "Täterarbeit" in diesem Bereich vor allem auch "Opferschutz" durch die "Heilung" des "Prüglers". (APA)