Wien - Vom 2. Dezember 2003 bis zum 20. Jänner 2004 präsentiert das Filmarchiv Austria mit über 100 Filmen aus 99 Jahren die bisher größte Retrospektive zum Genre Bergfilm.

"Es empfiehlt sich, Handschuhe, Schal und Mütze in Griffweite zu haben", scherzt Kurator Christian Rapp in einem Essay zur Retrospektive. Das alt-ehrwürdige Kino in der Wiener Innenstadt sei wahrscheinlich noch nie von so vielen Stürmen, Gewittern, Lawinenabgängen und solch arktischen Temperaturen heimgesucht worden; immerhin gibt es jeden Tag zwischen drei und sieben Filme aus der Welt des Alpinismus zu sehen.

Ein volles Jahrhundert Filme

Der älteste Film stammt aus dem Jahr 1901, die jüngste Produktion wurde im Jahr 2000 gedreht. Neben Klassikern beinhaltet das Programm auch zeitgenössische Regisseure sowie Sportdokumentationen, Bergdramen, Komödien und Actionfilme. Fans von Reinhold Messner und Hans Kammerlander kommen ebenso auf ihre Kosten wie Verehrer von Roman Herzog; dafür sorgt neben Christian Rapp auch Christian Dewald als Kurator.

Begleitend zur Filmretrospektive präsentiert das Filmarchiv Austria eine Ausstellung über den Bergfilmpionier Arnold Fanck, die von dessen Enkel Matthias Fanck kuratiert wird.

Tributes an herausragende (...) Berge

Das Film-Programm lässt selbst für Spezialisten des Metiers keine Wünsche offen: "Die Bezwingung des Everest" (GB 1953) ist drei Mal zu sehen (13.12., 9.1., 18.1.), ebenso wie "Nanga Parbat" (BRD/A 1953) mit der Tiroler Bergsteiger-Legende Hermann Buhl (14.12., 8.1., 17.1.).

Einen eigenen Everest-Themenabend gibt es am 20.12., im Rahmen dessen natürlich auch der Streifen "Mount Everest - Todeszone" (GB 1978) gezeigt wird, der die erste Besteigung des Daches der Welt ohne Flaschen-Sauerstoff dokumentiert. Protagonisten des Films sind der Tiroler Peter Habeler und der Südtiroler Reinhold Messner.

Der Abend des 21.12. gehört dem Cerro Torre in Argentinien, der klettertechnisch als schwierigster Berg der Welt gilt: Der Dokumentation "Cumbre" (CH 1986) folgt Werner Herzogs Spielfilm "Schrei aus Stein" (D 1991), in dem hervorragende Aufnahmen der Kletterkünste von Stefan Glowacz und Hans Kammerlander über die dünne Story hinweghelfen.

Historisches

In einer bergfilmhistorisch bedeutsamen Retrospektive darf denn auch "Der weiße Rausch" (D 1931) mit Leni Riefenstahl nicht fehlen (5.12., 5.1., 11.1.), ebenso wenig wie "Duell in den Bergen" (I 1950) mit Luis Trenker (17.12., 13.1.).

Der Kurzfilm "Cervino" (I 1901, 17.12., 28.12.) gilt nach heutigem Forschungsstand als ältester erhalten gebliebener Bergfilm überhaupt und zeigt die Besteigung des Matterhorn. Am 17.12. ist im Anschluss daran der Stummfilm-Klassiker "Der Kampf ums Matterhorn" (D 1928) mit Luis Trenker zu sehen, während das Tonfilm-Remake "Der Berg ruft" (D 1938) am 28.12. gezeigt wird. Dabei handelt es sich wohl um den Prototyp des deutschen Bergfilms der Zwischenkriegszeit schlechthin. (APA)