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Zehn Prozent aller HIV-Infektionen werden in China auf ungeschützten Verkehr zurück geführt.

Foto: APA/dpa/Oliver Stratmann
Wien - Im heurigen Jahr gab es in Österreich bis jetzt sieben Aidstote. Die Zahl klingt trügerisch niedrig, bei der Aids-Hilfe verweist man daher auf die Zahl der HIV-Neuinfektionen. Täglich würden sich ein bis zwei Menschen mit dem Virus anstecken. Dass weniger Menschen hierzulande an Aids sterben, liegt an der Kombinationstherapie, mit der ein Ausbrechen der Krankheit verzögert werden kann. In Österreich leben - nach offiziellen Angaben - rund 6000 Menschen mit Aids. Bei der Wiener Aids-Hilfe korrigiert man allerdings anlässlich des am 1. Dezember stattfindenden Weltaidstag die Zahlen massiv nach oben. Obmann Dennis Beck geht von 12.000 bis 15.000 Betroffenen aus.

Vor allem in Afrika und Asien breitet sich Aids rapide aus. Weltweit leben nach Angaben der UNO 40 Millionen Menschen mit der Immunschwäche. UN-Generalsekretär Kofi Annan verglich die Krankheit mit einer Massenvernichtungswaffe. Er warf der internationalen Staatengemeinschaft mangelndes Engagement im Kampf gegen Aids vor. Es fehle am politischen Willen, denn die finanziellen Mittel seien prinzipiell gegeben, allen Menschen Hilfe zukommen zu lassen.

Defizite bei der Aufklärung

Überall gibt es Defizite, was Aufklärung und die Verwendung von Verhütungsmitteln anlangt. Die Wiener Landesschulsprecherin Julia Broz wünscht sich, dass Kondome kostenlos an Schulen abgegeben werden. Sie spüre, dass nachfolgende Generationen über Gefahren wie Aids nicht mehr informiert würden. "Das ist kein Thema mehr, weil es für viele schon so selbstverständlich ist." Auch die Aids-Hilfe hat mehrmals erwähnt, dass die Bedrohung durch die Immunschwächekrankheit in Vergessenheit gerät.

Beate Wimmer-Puchinger, Frauengesundheitsbeauftragte der Stadt Wien, kritisiert in dem Zusammenhang die eigene Arbeit: Man habe auf die Burschen bei der Aufklärung vergessen. Pädagogische Konzepte würden sich in erster Linie an Mädchen richten. Auch zu Hause würden Mütter mit den Töchtern über die erste Regel sprechen, nicht aber die Väter mit den Söhnen über den ersten Samenerguss. Günter Schmidt, Jugendsexualforscher der Universität Hamburg, weiß aber aus eigenen Studien, dass die Jugend "sehr verantwortungsvoll mit ihrer Sexualität umgeht". Der Soziologe ist anlässlich von Informationstagen für Lehrer und Schüler zurzeit in Wien.

Mehr Teenagermütter

In Wien ist die Zahl der Teenagermütter leicht gestiegen. 2001 haben von den unter 20-Jährigen 791 ein Kind zur Welt gebracht, 2002 waren es 852. Jugendliche Mütter, die meist unfreiwillig schwanger werden, sind um die 15, 16 Jahre alt. Was Aufklärung angeht, damit beim Sex nichts schief geht, setzt man zum Teil auf "peer-groups" an Schulen, wobei Jugendliche selbst als Vorbilder für Mitschüler agieren und Infos über Verhütung bereithalten.

Erstmals Kondomwerbung in China

Peking - Unmittelbar vor dem Welt-Aids-Tag am 1. Dezember hat das chinesische Fernsehen Medienberichten zufolge zum ersten Mal einen offiziell genehmigten Werbespot für Kondome ausgestrahlt. In dem 30 Sekunden langen Film sagt eine Frau, sie fühle sich sicherer, wenn sie mit ihrem Freund Präservative benutze. Nach einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua vom Freitag wurde der Spot von Chinas bedeutendsten Fernsehsender ausgestrahlt.

In der Volksrepublik werden zehn Prozent aller Infektionen mit dem HIV-Virus auf ungeschützen Geschlechtsverkehr zurückgeführt. Offiziellen Angaben zufolge sind 80.000 Menschen in China an Aids erkrankt und 840.000 HIV-infiziert. Experten schätzen die tatsächliche Zahl der Infizierten allerdings auf eine bis 1,5 Millionen. Diese Zahl könnte demnach bis 2010 auf mehr als zehn Millionen steigen. (APA/Reuters/aw/DER STANDARD, Printausgabe 29./30.11.2003) )