Belfast - Nach der Regionalwahl in Nordirland hat ein Mitglied der radikalen protestantischen Democratic Unionist Party (DUP) den Karfreitags-Friedensprozess für "so gut wie tot" erklärt. Der Vertrag sei bei der Wahl am Mittwoch "eindeutig abgelehnt" worden, sagte der DUP-Politiker und Vertraute von Parteichef Ian Paisley, Gregory Campbell, am Freitag in Belfast.

Die DUP erhielt nach Auszählung von etwa der Hälfte der Stimmen die meisten Sitze im Regionalparlament. Die Partei lehnt das Friedensabkommen von 1998 und jegliche Zusammenarbeit mit dem politischen Arm der katholischen Untergrundorganisation IRA, Sinn Fein, ab. Mit dem endgültigen Wahlergebnis wurde noch am Freitag gerechnet.

Der britische Premierminister Tony Blair und sein irischer Kollege Bertie Ahern müssten nun zugeben, dass eine neue Lösung gesucht werden müsse, sagte Campbell. Die Regierungschefs berieten am Freitag im walisischen Cardiff über die Wahl in der britischen Unruheprovinz und über einen möglichen Wahlsieg der radikalen Parteien. Angesichts der wachsenden Unzufriedenheit der Nordiren mit dem Friedensprozess war mit einem großen Zulauf zu den extremistischen Parteien gerechnet worden.

Nach Auszählung von 51 der 108 Wahlkreise kam die DUP bereits auf 20 Sitze im neuen Parlament. Die im aufgelösten Parlament dominierende moderate Protestanten-Partei des früheren nordirischen Regierungschefs David Trimble, Ulster Unionist Party (UUP), erhielt demnach nur zwölf Sitze. Auch auf der katholischen Seite fand die radikale Formation Sinn Fein die größte Unterstützung. Den Auszählungen zufolge steigerte sie sich von drei auf 16 Sitze. Die moderate katholische Social Democratic and Labour Party (SDLP) galt als größter Verlierer der Wahl. (APA)