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Der radikale Protestantenführer Ian Paisley strahlt mit seinem Sohn Ian Paisley Jr. über den Wahlsieg seiner Democratic Unionist Party (DUP)

Foto: Reuters/PETER MACDIARMID
Dublin - Am Freitagmorgen kreuzten der ehemalige Chefminister Nordirlands, David Trimble, und sein ehrgeiziger Widersacher Jeffrey Donaldson Klingen im nordirischen Rundfunk. Die gegenseitige Verachtung troff aus den Lautsprechern. Doch die beiden Männer gehören derselben Partei an, der Ulster Unionist Party, der einstigen Staatspartei Nordirlands. Und das ist letztlich die Geschichte dieser Wahl, deren Ergebnisse am Freitagabend offiziell veröffnetlicht wurden.

Pfarrer Ian Paisleys Protestantenpartei wird mit 30 von 108 Abgeordneten die größte Fraktion überhaupt stellen, wacker unterstützt von etwa einem halben Dutzend von Trimbles eigenen Abgeordneten (insgesamt erreichte die gemäßigte UUP 27 Sitze). Dieser Block ist gegen das Friedensabkommen vom Karfreitag 1998 und kann die Rückkehr Nordirlands zur Selbstverwaltung sabotieren.

Auf der katholisch-nationalistischen Seite wurde die IRA-nahe Sinn-Féin-Partei mit 24 Sitzen deutlich stärkste Kraft, fast überall auf Kosten der gemäßigten SDLP (18 Abgeordnete), deren Gründergeneration teils freiwillig, teils unfreiwillig in Rente geht.

Mitte weitgehend aufgerieben

Im Kampf der Titanen wurde die Mitte weitgehend aufgerieben. Die kluge Frauenkoalition wird im neuen Parlament nicht mehr vertreten sein, die überkonfessionelle Allianz musste Haare lassen, einer der beiden Abgeordneten der winzigen progressiven Unionistenpartei PUP scheidet ebenfalls aus.

Der britische und der irische Premierminister trafen sich am Freitag in Wales und besprachen die Konsequenzen. Der Ire Bertie Ahern forderte anschließend Paisleys Partei auf, ihr Wählermandat auch auszuüben und das Karfreitagsabkommen zügig zu verwirklichen. Doch die siegreichen Gegner dieses Ausgleichs ließen niemanden im Zweifel darüber, dass sie keine Regierung mit Sinn Féin bilden werden. Nordirland bleibt damit unter britischer Direktverwaltung, der risikoreiche Weg zu einer friedlichen, egalitären Gesellschaft ist über Nacht wesentlich länger und kurvenreicher geworden. (DER STANDARD Printausgabe, 29./30.11.2003)