Wenn um acht in der Früh in der Volksschule Aspernallee in Wien die Schulglocke läutet, kann das das Startsignal für den Unterricht sein. Es kann aber auch sein, dass der Schultag mit einer Spielstunde losgeht und erst dann gelernt wird: Denn die Aspern- allee wird seit 1974 als Ganztagsschule geführt - und in der sind einige Dinge anders als in "gewöhnlichen" Schulen.

Bunt dekorierte Wände, Kinderzeichnungen und viel Licht begrüßen den Besucher. Auch Lisa und Marvin, beide zehn Jahre alt, sagen freundlich Hallo. Was ihnen an ihrer Schule besonders gut gefällt? "Der große Garten", sagt Lisa. "Manchmal sind die Lehrer so nett, und wir gehen statt Turnen hinaus. Da dürfen wir machen, was wir wollen." Marvin spielt jedenfalls am liebsten Fußball.

Mitten in den Praterauen gelegen, besitzt die Schule nicht nur einen großen Schulgarten mit verschiedensten Spielgeräten, sondern hat auch einen weiteren Pluspunkt: "Dass sie so nahe bei der Grafenwiese ist", sagt der siebenjährige Paul. Das Nachbargrundstück "Grafenwiese" ist mit seinen verwachsenen Ästen und Pflanzen der Abenteuerspielplatz für die Kinder.

In der Aspernallee haben die Kleinen durch die verschränkte Schulform (also Verteilung von Unterrichts-und Freizeitblöcken über den ganzen Tag) viel Spielraum für Regenerationsphasen zwischen den Unterrichtseinheiten. Zwischen acht Uhr morgens und halb vier am Nachmittag wechseln die Schüler etwa von Mathematik und Deutsch in den ersten beiden Stunden auf Jonglieren, kreatives Gestalten oder Kinderdisco in der dritten Einheit.

Die Organisation des Stundenplanes ist dabei sehr variabel. "Wenn die Kinder unkonzentriert sind, kann der Lehrer flexibel reagieren", nennt Vizerektorin Henriette Weis einen wesentlichen Vorteil des Ganztagsschulmodels, etwa Märchen statt Mathe. Die 320 Volksschüler haben dabei zwei Lehrer als Bezugspersonen samt Erziehern für verschiedene Freizeitaktivitäten.

Das hohe Qualitätsniveau der Schule sei aber nicht zuletzt auf das große Engagement von Lehrern und Eltern zurückzuführen, wobei diese auch einiges an finanziellen Mitteln zur Verfügung stellen, sagt die scheidende Direktorin Waltraud Gruber. So geht auch die Anschaffung der Schulfahrräder auf eine Initiative der Eltern zurück. Den Rodelhügel haben sich allerdings die Kinder selbst gewünscht. Mitbestimmung wird in der Aspernallee groß geschrieben.

Beim STANDARD-Besuch in einer zweiten Klasse bringt die achtjährige Marion aus ihrer Sicht die Vorteile der Schule auf den Punkt: "Mir gefällt das Lernen und dass wir nicht die ganze Zeit lernen." (Karin Moser/DER STANDARD, Printausgabe, 29./30.11.2003)