Neu-Delhi/Islamabad - Zwei Jahre nach der Unterbrechung aller Verkehrsverbindungen nehmen Indien und Pakistan zum 1. Jänner den Flugverkehr wieder auf. Bei Verhandlungen in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi vereinbarten beide Seiten am Montag außerdem, den Luftraum für Flugzeuge des Nachbarlandes wieder zu öffnen. Derzeit ist die einzige Direktverbindung zwischen beiden Ländern eine Buslinie, die seit Juli zwischen Neu-Delhi und Lahore verkehrt.

Nach den Flugverbindungen soll über die Wiederaufnahme des Zugverkehrs verhandelt werden. Indien und Pakistan hatten nach einem Anschlag auf das Parlament in Neu-Delhi im Dezember 2001 alle Verkehrsverbindungen gekappt und sich gegenseitig die Überflugrechte entzogen. Die beiden verfeindeten Atommächte bemühen sich um eine Entspannung ihres Verhältnisses.

Waffenstillstand

Seit Mittwoch gilt ein Waffenstillstand zwischen indischen und pakistanischen Truppen in der umstrittenen Unruheregion Kaschmir. Indien hatte Ende Oktober ein Zwölf-Punkte-Programm zur Wiederbelebung des ins Stocken geratenen Friedensprozesses vorgelegt, das vor allem eine Wiederaufnahme von Verkehrsverbindungen vorsieht.

Der indische Außenminister Yashwant Sinha bekräftigte am Montag nach einem Bericht der Nachrichtenagentur UNI, dass Ministerpräsident Atal Behari Vajpayee zu dem am 4. Jänner beginnenden Gipfel der Südasiatischen Vereinigung für Regionale Zusammenarbeit (SAARC) reisen werde. Ein formelles Treffen mit dem pakistanischen Ministerpräsidenten Mir Zafarullah Khan Jamali schloss er aber aus.

Kursaufschläge

Die pakistanische Börse feierte die Vereinbarung zum Flugverkehr mit kräftigen Kursaufschlägen. In Karachi stieg der 100 Werte umfassende Börsenindex KSE um 4,8 Prozent auf 4263,06 Punkte. Das war der größte Tagesgewinn in der Geschichte des Aktienmarktes. Die Regierung in Islamabad betonte, die jüngsten Schritte zur Entspannung seien nicht auf äußeren Druck zurückzuführen. Außenamtssprecher Masood Khan räumte aber zugleich ein, dass die USA, die EU und die internationale Staatengemeinschaft "hinter den Kulissen" auf Gespräche der Nachbarn hingewirkt hätten.

Im indischen Teil Kaschmirs töteten Soldaten nach einem UNI- Bericht mindestens zwei mutmaßliche moslemische Separatisten. Dort kämpfen verschiedene Moslem-Milizen für die Unabhängigkeit oder den Anschluss der Region an Pakistan. Indien wirft Pakistan vor, die Extremisten zu unterstützen. Die Regierung in Islamabad weist das zurück. Indien und Pakistan haben seit ihrer Unabhängigkeit von der britischen Kolonialherrschaft 1947 drei Kriege gegeneinander geführt, zwei davon um Kaschmir. (APA/dpa)