New York - Die sieben Billionen Dollar schwere US-Fondsbranche braucht ein unabhängiges Überwachungsgremium, ähnlich der nach den Bilanzskandalen bei Enron Corp. und WorldCom Inc. eingeführten Wirtschaftsprüferaufsicht Public Company Accounting Oversight Board. Das fordern Anlegervertreter und Verbraucherschützer in den USA.

Die Verbraucherschützer schlagen dem US-Kongress darüber hinaus vor, unabhängige Aufsichtsräte für Fonds einzuführen. Damit sollen Interessenkonflikte, die durch die Untersuchung der Handelspraktiken bei Fonds an den Tag gekommen sind, zukünftig vermieden werden.

Mangelnde Compliance im System

"Reformvorschläge müssen zu mehr führen, als nur die spezifischen Missbräuche zu verhindern, die bei den Untersuchungen der letzten Zeit offengelegt wurden", bekräftigte Mercer Bullard, Gründer von Fund Democracy, einer Lobbygruppe für Fondsanleger. "Sie müssen auch erkennen, dass die mangelhafte Compliance im System bedingt ist, und das ändern."

In der vergangenen Woche hat der erste Gesetzesvorschlag aus dem Kongress zur Verhinderung von Missbrauch bei Fonds das Repräsentantenhaus passiert. Der Entwurf sieht vor, dass Fonds unabhängige Compliance-Beauftragte ernennen müssen, dass die Aufsichtsräte zu zwei Dritteln aus unabhängigen Mitgliedern bestehen und dass Fonds höhere Gebühren verlangen können, um kurzfristige Käufe und Verkäufe zu verhindern. "Das Repräsentantenhaus hat die Führung übernommen, indem es zügig Reformen verabschiedet hat, aber wir brauchen noch mehr, um in der Branche aufzuräumen", so die Anlegervertreter. (DER STANDARD, Printausgabe, 1.12.2003, Bloomberg)