Wien - Durch die "dramatischen Kürzungen im Bildungsbereich, für die das Bildungsministerium verantwortlich ist", beginnt nach Ansicht des Vorsitzenden des Sozialdemokratischen LehrerInnenvereins Österreichs (SLÖ), Reinhard Dumser, mit dem heutigen 1. Dezember ein "völlig neues, katastrophales Kapitel in der österreichischen Schulgeschichte". Nach seinen Informationen seien mit dem heutigen Tag mehr als 4.000 Lehrer in ganz Österreich in Vorruhestand getreten, die nicht nachbesetzt. Dadurch sei "die Qualität der österreichischen Schule ruiniert worden, wir sind zurück auf dem Stand der fünfziger Jahren", so Dumser am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Das Angebot von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) an Wien, Unterstützung für das Wiener Schulmanagement zur Verfügung zu stellen, lehnte Dumser, der selbst Bezirksschulinspektor in Wien ist, ab. "Das brauchen wir nicht", als Schulaufsicht habe man gute Arbeit geleistet, alle Kinder hätten heute einen Lehrer. Doch durch die Einsparungen gebe es "überfüllte Klassen ohne Förderunterricht, ohne zusätzlichen Deutschunterricht für ausländische Kinder und ohne zusätzliche Förderung für beeinträchtigte Kinder", so Dumser.

Schuld daran ist nach Ansicht des SLÖ-Chefs die Bundesregierung. Das Inkrafttreten des neuen Pensionsrechts sei nicht dem Arbeitsjahr der Schulen angepasst gewesen, eine Gesetzeslücke habe auch Lehrern bis zum Geburtsjahr 1953 den Vorruhestand ermöglicht. Auf Vorschlag Gehrers habe Finanzminister Kar-Heinz Grasser den Landeshauptleuten bei den Verhandlungen für den Finanzausgleich Kürzungen bei den Landeslehrern vorgeschlagen. Die Landeschefs hätten diese akzeptieren müssen, wollten sie nicht den wesentlich größeren Brocken Wohnbauförderung gefährden, meinte Dumser. Außerdem hätte Grasser das Finanzlandesausgleichsgesetz auch gegen den Willen der Landeshauptleute im Parlament beschließen lassen können.

Wie Dumser weiter kritisierte, bewirke der derzeitige Dienstpostenplan, dass ländliche Regionen gegen Ballungszentren ausgespielt würden. "Kleinste Schülerzahlen in entlegenen Regionen bewirken dramatisch hohe Schülerzahlen in den Städten", so Dumser. Zudem würden Vertretungen, etwa für Lehrerinnen im Mutterschutz pder in Pflegefreistellung, auf Kosten des Stellenplans gehen. Alleine in Wien müssten dafür 300 Planstellen zurückgehalten werden, ebenso viele Lehrer könnten deshalb nicht angestellt werden.

Der SLÖ fordert deshalb die sofortige Zuerkennung zusätzlicher Planstellen. Dumser appellierte in diesem Zusammenhang an die heute tagende Landeshauptleute-Konferenz, "Druck auf den Finanzminister zu machen". Zudem sollten die Vertretungskosten aus den Stellenplänen herausgenommen werden und auch die Religionslehrer in einem eigenen Stellenplan berechnet werden.

Vom Vorschlag der SPÖ und Grünen, die frühpensionierten Lehrer bis zum Ende des Schuljahres zurückzuholen, hält Dumser nichts. Allerdings würde er sich von SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer eine Stellungnahme sowie Aussagen dazu erwarten, wie die Situation unter einer SPÖ-geführten Regierung geändert werde. (APA)