Eisenstadt - Der mutmaßliche Drahtzieher der Schändung des neuen jüdischen Friedhofes von Eisenstadt, der seit Jahren per internationalem Haftbefehl gesuchte Südburgenländer Wilhelm Christian A., ist wieder in Österreich. Er habe freies Geleit zugestanden bekommen und sei am Montag im Landesgericht Wiener Neustadt erstmals vernommen worden, berichtete das ORF-Landesstudio Burgenland. Die massive Schändung des jüdischen Friedhofes im Oktober 1992 hatte nicht nur in Österreich, sondern weltweit für Empörung gesorgt. Rund 80 Grabsteine waren mit Hakenkreuzen und Nazi-Parolen beschmiert worden.

Bekennerschreiben

Auf dem geschändeten Friedhof wurde ein Bekennerschreiben einer "Rassischsozialistischen Arischen Wiederstandsbewegung" (richtig zitiert, Anm.) gefunden. Jörg Haider wurde in dem Schreiben als Vorbild genannt und mit "Heil Haider" gegrüßt.

Ein Mittäter, der Südburgenländer Wolfgang T., wurde im Zuge von Ermittlungen wegen eines rechtsextremen Blattes ausgeforscht und im Dezember 1996 von einem Wiener Neustädter Geschworenensenat wegen NS-Wiederbetätigung rechtskräftig zu vier Jahren Haft verurteilt.

Der mutmaßliche Haupttäter, Wilhelm Christian A., konnte sich ins Ausland absetzen. Über eine internationale Liste von 100 Internet-Adressen mit rassistischen und neonazistischen Inhalten stieß das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) vor knapp zwei Jahren auf den Hauptverdächtigen A. Der südburgenländische Unternehmersohn dürfte von Südafrika aus eine Homepage betreut haben.

A., ehemaliger Aktionist des Rings Freiheitlicher Jugend (RFJ), war Schüler des Ex-Turnlehrers und jetzigen Sportstaatssekretärs Karl Schweitzer, der 1996 nach Kritik anderer Parteien, die ihm ein Nahverhältnisses zu den mutmaßlichen Friedhofsschändern vorwarfen, als Bundesgeschäftsführer der FPÖ zurücktrat.

Wiederbetätigung

"A. hat im wesentlichen das bestätigt, was Grundlage der Voruntersuchung ist, nämlich nationalsozialistische Wiederbetätigung am Friedhof von Eisenstadt mit Grabschändung", zitierte Radio Burgenland Richter Wolfgang Jedlicka am Montag. Über sein Motiv habe A. nicht wirklich etwas gesagt. (APA/red)