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Ein wilder Streik der Busfahrer legte Mailand lahm.

Foto: EPA/DANIEL DAL ZENNARO
Für Bürgermeister Gabriele Albertini war es der "schwärzeste Tag" seiner Amtszeit. Ein wilder Streik der Verkehrsbetriebe ließ die Stadt am Montag im Chaos versinken. Angekündigt war ein Streik im Nahverkehr von 8.45 bis 15 Uhr. Doch die Fahrer begannen mit dem Ausstand um sechs Uhr und setzten ihn den ganzen Tag fort.

150.000 Menschen konnten ihren Arbeitsplatz nicht erreichen. Zehntausende Pendler warteten an den Bahnhöfen vergeblich. Um sie heimzubringen, hielten die Züge in allen Vororten. Ein gigantischer Verkehrsstau blockierte die Stadt. Viele ließen die Autos einfach am Straßenrand stehen und versuchten im strömenden Regen, ihren Arbeitsplatz zu Fuß zu erreichen.

Die Gewerkschaften verurteilten die Aktion: "Wir können es nicht hinnehmen, dass die Bürger als Geiseln genommen werden", so der Chef des Gewerkschaftsbundes CGIL, Guglielmo Epifani. Der Chef der Transportarbeitergewerkschaft, Walter Galbusera, appellierte an die Bewohner, "ihre Wut nicht an den Busfahrern auszulassen". Bei Wiederaufnahme der Arbeit wurde mehreren Autobusse mit Eiern beworfen. Der Präfekt von Mailand hat die Busfahrer dienstverpflichtet, Bürgermeister Albertini fordert rechtliche Konsequenzen. Die Verbraucherverbände haben die Gewerkschaften angezeigt.

Die Busfahrer (Durchschnittslohn 1000 Euro) verweisen darauf, dass sie seit zwei Jahren auf einen Arbeitsvertrage warten. Sie fordern eine Lohnerhöhung von 106 Euro pro Monat, die Verkehrsbetriebe bieten zwölf. Die Mailänder Handelskammer beziffert die durch den wilden Streik entstandenen Verluste mit 140 Millionen Euro. (DER STANDARD, Printausgabe, 3.12.2003)