Innsbruck - Der öffentliche Personennahverkehr könnte einen "immensen Beitrag zugunsten von Nachhaltigkeit und regionaler Wirtschaft leisten", meint Martin Stubenböck, Verkehrsexperte der Arbeiterkammer Tirol. Seit 1980 waren in Tirol durchschnittlich 59 Millionen Euro jährlich für den Straßenbau budgetiert, für die Schiene bescheidene 2,5 Millionen.

Kritisch beurteilte Stubenböck bei einem von der AK veranstalteten Symposium die Entwicklung im Verkehrsverbund Tirol (VVT) - insbesondere im Vergleich zum Vorarlberger Verbund. Seit seiner Gründung habe der VVT seine Tarife um bis zu 60 Prozent erhöht und liege damit deutlich über der Inflationsrate und Einkommensentwicklung.

Mangelhafte Information

Einen weiteren Grund für rückläufige Fahrgastzahlen im Verbund sieht der Experte auch in dessen mangelhafter Information und Kommunikation. Für Stubenböck begründen diese Mängel, dass die Zahl der Pkw-Zulassungen im Transitland Tirol seit Jahren deutlich über dem österreichischen Durchschnitt liegen und auch höher sind als in den Nachbarländern Salzburg und Vorarlberg.

Die AK Tirol verlangt mehr Geld für die Öffentlichen, Taktfahrpläne, mehr Angebot, einen Preisstopp beim VVT und die Schaffung eines Fahrgastbeirates. Besonders viel verspricht man sich von "Job- Ticketing", Zeitkarten für Arbeitnehmer, finanziert von den Betrieben und dem Land. Unternehmer könnten auf diese Weise Kosten für Pendlerparkplätze sparen. Laut Stubenböck verfügen derzeit nur 20 Prozent der Bewohner des Pendlerbezirks Innsbruck- Land über eine Zeitkarte.

Akuter Handlungsbedarf

Transitkritiker und AK-Rat Fritz Gurgiser spricht von "akutem Handlungsbedarf" im Pendler- und Tourismusverkehr und sieht ein Problem im mangelnden Blick auf Gesamtwirkungen, etwa wenn es um die Erhöhung von Liftkapazitäten in den hintersten Tälern geht. Peter Haßlacher (Alpenverein) verwies darauf, dass die verpflichtenden und unmittelbar anwendbaren Bestimmungen der Alpenkonvention bei einer Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs eine wesentliche Rolle spielen könnten - allerdings bedürfe es einer "positiven Umsetzungsatmosphäre".

Über ein positives Beispiel berichtete Josef Hausberger, Bürgermeister von Eben am Achensee. Die "Region Achensee" verfügt seit 1. September über ein Nahverkehrsangebot, das die Bedürfnisse von Schülern, Berufspendlern und Touristen bündelt: ein Stundentakt bei Bussen, ganzjährig und sieben Tage die Woche, und die Koordinierung der Anschlüsse zur Eisenbahn am Bahnhof Jenbach und Richtung München. Erster Erfolg: die Auslastung der Busse ist deutlich gestiegen. (DER STANDARD Printausgabe, 06.12.2003, Hannes Schlosser)