Wien - Das verheerende Hochwasser, das im August 2002 das Kamptal verwüstet hat, sei "künstlich provoziert" gewesen. Verantwortlich für die Schäden sei letztlich die Republik, weil es keine gesetzliche Regelungen für adäquate Warn- und Vorsorgemaßnahmen gegeben habe.

So weit "neue Erkenntnisse", mit denen der Wiener Rechtsanwalt Georg Zanger eine neue Runde bei einem seiner Musterverfahren für eine Etsdorfer Hochwassergeschädigte einläuten möchte: Der Ausgang dieses Verfahren werde "alle Geschädigten im Kamptal betreffen", meinte er am Freitag vor Journalisten.

Unvorhersehbaren Niederschlagsmenge

Laut Zanger resultierten die Fluten nicht aus einer unvorhersehbaren Niederschlagsmenge. Laut Recherchen habe es zu fraglichen Zeit in der Region lediglich 160 Millimeter pro Stunde geregnet - ein Wert, der "alles andere als dramatisch" sei. Dafür habe der Stromproduzent und Eigentümer des in der Folge übergegangenen Stausees Ottenschlag - die EVN - falsch auf die herannahenden Wassermassen reagiert. Zanger: "Es fehlten die Gesetze."

Nun habe der Gesetzgeber "offenbar Angst, das Gerichtsverfahren zu verlieren". Nur aus dieser Sicht nämlich mache es Sinn, dass die Republik in dem Musterverfahren die EVN als Sachverständigen zum Prozess beigezogen habe. Seitens der EVN hieß es, man sei an einer Klärung der Ereignisse interessiert und kooperiere mit der Republik. (bri, DER STANDARD Printausgabe 6/7.12.2003)