Paris - Nach einem heftigen politischen Streit lässt die Pariser Regierung die geplante Einführung eines Straftatbestandes "fahrlässige Abtreibung" fallen. Es sei "wohl besser", das Gesetzesvorhaben aufzugeben, sagte Justizminister Dominique Perben Freitag Abend im Radiosender Europe 1. Der Text, der eine Woche zuvor von der Pariser Nationalversammlung verabschiedet worden war, bringe "mehr Probleme mit sich, als er regelt", fügte der Konservative hinzu. Die französische Opposition, FrauenrechtlerInnen und die Ärzteschaft waren gegen das Vorhaben Sturm gelaufen, mit dem indirekt einem Fötus ein eigener rechtlicher Status zugebilligt worden wäre.

Freiheitsstrafe bei Fahrlässigkeit

Das Delikt "fahrlässige Abtreibung" sollte mit einem Jahr Gefängnis und 15.000 Euro Geldstrafe belegt werden und alle treffen, die eine Schwangerschaft fahrlässig abbrechen. Die konservative Regierungspartei UMP wollte damit in erster Linie Schuldige von Unfällen bestrafen, bei denen Schwangere ihre Ungeborenen verlieren. PolitikerInnen der Linksparteien, aber auch der UMP warfen der Regierung vor, damit das in Frankreich 1975 eingeführte Recht auf Abtreibung mit der Neuregelung aushöhlen zu wollen. Entgegen Perbens Aussagen werde "das Recht der Frauen beeinträchtigt, über die Mutterschaft zu bestimmen", kritisierte die Sozialistin Catherine Genisson. (APA)