Im Gezerre um die Abfindung von 20,6 Millionen Euro für den Ex-Vivendi-Chef Jean-Marie Messier fährt die Pariser Justiz schweres Geschütz auf: Das Handelsgericht der französischen Hauptstadt drohte dem Mischkonzern Vivendi Universal am Montag eine Geldstrafe von 500.000 Euro pro Tag an, falls das Unternehmen nicht spätestens am 26. Jänner Unterlagen zu der Kündigung Messiers zum Juli 2002 und zu den Vollmachten seines Nachfolgers Jean-René Fourtou vorlegt. In der Sache will das Handelsgericht nach dem Studium der angeforderten Akten voraussichtlich am 1. März entscheiden.

Millionen-Abfindung verweigert

Mangels gesicherter Sachlage könne das Handelsgericht nicht entscheiden, ob die Abfindungszahlung gerechtfertigt gewesen sei, betonten die Richter. Fourtous Anwälte wollen die Vereinbarung zum Ausscheiden und zur Abfindung Messiers annullieren lassen. Die Anwälte Messiers halten dagegen, dies geschehe nur, um vor den Vivendi-Aktionären besser dazustehen. Wegen der dramatischen finanziellen Schieflage des französisch-amerikanischen Konzerns hatte die Pariser Börsenaufsicht die Auszahlung der Millionen-Abfindung Mitte August verweigert.

Trotz der rasanten Talfahrt der Vivendi-Aktie hatte Messier 2001 und 2002 Millionen-Gehälter kassiert, was bei den Aktionären massive Verärgerung hervorrief. 2001 hatte Vivendi eine Jahresbilanz mit einem Verlust von 13,6 Milliarden Euro vorgelegt und dies mit überteuerten Firmeneinkäufen während der Hoch-Zeit der Spekulationsblase an den Weltbörsen begründet. Für 2002, nach dem Ausscheiden Messiers, hatte das Unternehmen mit 23,3 Milliarden Euro den höchsten Nettoverlust in der französischen Wirtschaftsgeschichte verzeichnet. (APA/APF)