Mitunter hört man ja immer noch, dass die EU-Beitrittsländer Mittel- und Osteuropas in Sachen Forschung und Entwicklung auf die Zusammenarbeit mit dem Westen angewiesen seien. Ein Irrglaube, wie auch Georg Panholzer vom Wirtschaftsministerium vergangene Woche während der Podiumsdiskussion "Der Osten im Aufbruch? Wir im Umbruch?" meinte.

Er sehe ein "ungeheures Wissenspotenzial in diesen Ländern", vor allem im Bereich Informationstechnologie. Was der Osten brauche, sei vor allem Kapital, das Know-how sei vorhanden. Jeder Wirtschaftsakteur sei gut beraten, wenn er hier investiere. Panholzer warnte aber gleich davor, die Chance ungenützt zu lassen: "Wenn die heimische Wirtschaft nicht mit Kapital in den Markt geht, werden es eben andere tun."

Die Voraussetzungen für Erfolg seien dabei in jedem Fall gegeben: Es gebe keinen Ort, der mehr Osteuropa-Kompetenz habe als Wien, hieß es während der Diskussion. Schon alleine wegen der geografischen Nähe. Aber auch weil einige internationale Konzerne schon seit vielen Jahren von hier aus ihr Osteuropageschäft organisieren und die Kontakte daher schon lange bestehen: der deutsche Softwareriese SAP zum Beispiel. Country Manager Wolfgang Schuckert meinte, der Osten sei schon lange im Aufbruch. Die Fragestellung müsse doch eher lauten: "Osten im Umbruch? Wir im Aufbruch?"

Position stärken

Schuckert sprach damit indirekt die Position Österreichs im internationalen Wettlauf um Forschung und Entwicklung und eine notwendige Verbesserung an. Oder, wie es Hannes Werthner, Gründer und Vorstand des E-Commerce Competence Center (EC3), bezeichnete: "Wir sind in der Softwareentwicklung oder in der Biotechnologie im Mittelfeld." Er sehe aber auch die Gefahr, in die "tödliche Spirale der Mittelmäßigkeit" zu geraten. Man müsse daher die Position des Forschungsstandortes stärken.

Dazu brauche es weitere Steuervorteile, sagte Klaus Steinmaurer von T-Mobile. Oder vielleicht auch noch mehr Wettbewerbe. Die Stadtverwaltung Wien versuche damit Schwerpunkte zu setzen, meinte Christian Bartik vom Zentrum für Innovation und Technologie, einer Tochter des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds (WWFF). Derartige Ausschreibungen (Calls) für Informationstechnologie oder Biotechnologie wurden schon in den letzten Jahren veranstaltet, um Forschung und Entwicklung in Wiener Unternehmen zu fördern. Den Beitritt der zentral- und osteuropäischen Staaten zur EU sieht Bartik letztlich vor allem als Chance, die eigene Position durch Kooperationen zu verbessern. "Wenn die dort reicher werden, besteht auch für uns die Chance, reicher zu werden."(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9. 12. 2003)