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Rene Clemencic führt durch 'Wandlungen: Ereignis Skulptur'

FOTO: APA/HANS KLAUS TECHT

Wien - Wenn ein Universalmensch wie der Komponist, Dirigent, Musikwissenschafter, Philosoph und Musiker Rene Clemencic seine hoch persönliche Kunstsammlung zeigt, dann haben kunstgeschichtlichen Kategorien hinter die Kraft der Assoziation zurückzutreten. In der am Dienstag präsentierten Schau in der Österreichischen Galerie Belvedere (10. 12. bis 29. 2. 2004) wird das "Ereignis Skulptur" in all seinen "Wandlungen" sichtbar gemacht, indem etwa ein chinesischer Buddhakopf aus dem 6. Jahrhundert vor ein Schüttbild von Nitsch oder ein taoistischer Meditationsstein unter ein Madonna-Gemälde von Leopold Kuppelweiser gestellt wird.

"An der Oberfläche schaut manches sehr disparat aus, aber wenn man in die Tiefe geht, gibt es doch Berührungspunkte", so Clemencic, für den heute "einer der schönsten Tage in meinem Leben" ist, bei der Presseführung. Skulpturen, die das Gros der Schau ausmachen und denen sich Clemencic in seiner Sammlung besonders gewidmet hat, würden "immer etwas zweitklassig" behandelt werden, so Clemencic, doch bieten diese "immer neue Blickwinkel".

Mit einer Skulptur "muss man leben", diese "nimmt etwas von unserem Lebensraum ein. Das ist auch schwierig", betonte der am 27. Februar 1928 in Wien geborene Clemencic, dessen skulpturengefüllte Wohnung in Abbildungen auf den ersten Seiten des (schönen) Kataloges einen Eindruck von der Nähe Clemencics zu seinen Kunstwerken vermittelt.

"Mehr als heterogen"

Die "mehr als heterogene" Mischung (so Galerie-Direktor Gerbert Frodl) aus asiatischer, australischer, afrikanischer, südamerikanischer und europäischer Kunst wird durch Klangeinspielungen mit gotischer Polyphonie, Tierlauten und Auszügen aus Clemencic' "Apokalypse" zu einem "Gesamtkunstwerk" (Clemencic), das in den vielfältigen Konfrontationen ein "neues Seherlebnis" bietet, wie Kurator Michael Krapf verspricht. Die Schau ist ein "Querschnitt, der alle Eigenheiten privaten Sammelns" vereint, so Frodl. Wichtig sei, dass der Eindruck vom Zyklus des Werdens und Vergehens den Besucher "auch außerhalb der Ästhetik streift", so Krapf. Die Schau zeige "viel von der Persönlichkeit des Sammlers", so Frodl.

Zoomorpher Boli-Fetisch

Die gezeigten Objekte spannen selbst in den europäischen Werken einen weiten Bogen vom 9. Jahrhundert über den Barock bis in die heutige Zeit, mit Arbeiten von Nitsch (u. a. "Kopf des Ödipus"), Gerald Obersteiner oder Christine Olbrich. Die außereuropäische Kunst, in der die Skulptur die Bedeutsamkeit des Gemäldes bei weitem übersteigt (wie Clemencic erfreut betonte), ist mit einer Vielfalt an Arbeiten vertreten, etwa einer Kleinstatue aus Mexiko (die mit ihren verkürzten Armen in einem spannenden ästhetischen Wettstreit einem Idealkörper aus dem 18. Jahrhundert von Franz Xaver Seegen gegenübergestellt wird), einem "zoomorphen Boli-Fetisch" aus Mali, afrikanischem Speer-Geld oder einem Bumba-Gorillaschädel.

Im Rahmenprogramm mit zehn Führungen und ebenso vielen Konzert/Lesungs-Terminen will Clemencic selbst dem Publikum die inneren Zusammenhänge der Skulpturenwelt erläutern. Der national und international mehrfach ausgezeichnete Clemencic ist als Cembalist, Flöten- und Clavichordvirtuose ebenso bekannt wie als Komponist und Gründer sowie Leiter des Ensembles "Clemencic Consort". (APA)