Das Biomasse-Großkraftwerk wird in Wien errichtet, das ist fix: 40 bis 45 Millionen Euro werden investiert, im nächstem Jahr soll bereits mit dem Bau begonnen werden - 2006 soll der Ofen in Betrieb gehen.

So weit, so ökologisch gut. Oder besser gesagt: nur halb gut. Denn im Zuge der Vorbereitungen hat der Initiator des Projektes, der Wiener Grünen-Chef Christoph Chorherr, entdeckt, dass sich Betreiber solcher Anlagen derzeit entscheiden müssen, ob sie das Werkl ökologisch sinnvoll oder wirtschaftlich fahren lassen.

Der Hund liegt im Ökostromgesetz begraben: Denn derzeit wird bei einer Öko-Großanlage wie in der in Wien geplanten die Kilowattstunde mit 10,2 Cent gefördert. Allerdings nur der Strom. Wird bei einer Biomasse-Anlage allerdings der maximale Strom gewonnen, beträgt der Wirkungsgrad nur 30 Prozent. Weit sinnvoller ist es daher, über eine Kraft-Wärme-Kupplung gleichzeitig die Abwärme für die Fernwärme zu nutzen und eine Energieausbeute von über 80 Prozent zu erreichen. In diesem Fall wird aber weniger Strom erzeugt - und damit sinken die geförderten Einnahmen.

Der "Wärmeverlust"

Das heißt: Beim Wiener Biomassekraftwerk müsste man sich entscheiden, ob man 20 Megawatt Strom erzeugt und entsprechend mehr verdient - oder ob mit Verlust doch "nur" knapp 13 Megawatt Strom und dazu auch noch 40 Megawatt Wärme gewonnen werden.

"Das Ökostromgesetz des Bundes muss daher in ein Ökoenergiegesetz umgewandelt werden", fordert Chorherr. Es müsse ein System gefunden werden, bei dem die Abwärmenutzung in derartigen Anlagen ebenfalls unterstützt wird. "Am liebsten wäre mir, wenn die Höhe des Ökostrom-Zuschlages vom Wirkungsgrad der Anlage abhängig gemacht würde. Es muss jedenfalls "für Betreiber wirtschaftlich interessant sein, das ökologisch Richtige zu tun. Derzeit werden sie nur motiviert, das ökologisch Dumme zu tun." (Roman Freihsl/DER STANDARD; Printausgabe, 10.12.2003)