Tokio - Kein japanischer Soldat hat seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in einer Gefechtssituation einen Schuss abgefeuert oder ist gar bei einem Auslandseinsatz umgekommen. Das könnte sich nun nach der Entscheidung der japanischen Regierung vom Dienstag ändern: Unter dem Vorsitz von Premierminister Junichiro Koizumi beschloss das Kabinett die Entsendung von zunächst bis zu 600 Soldaten in den Irak und machte damit den Weg frei für den größten, aber auch gefährlichsten Militäreinsatz Japans seit 1945.

Koizumi, der sich in dieser Frage einer großen Ablehnung in der japanischen Öffentlichkeit gegenübersieht, gab unmittelbar nach dem Kabinettsbeschluss eine Erklärung ab und versuchte dabei zu beschwichtigen. Die Soldaten würden sich an humanitärer Hilfe und beim Aufbau beteiligen, sagte der Premier, "sie werden keine militärische Gewalt ausüben, sie werden dort keinen Krieg beginnen". Einer Umfrage des Fernsehsenders NHK zufolge unterstützten nur 17 Prozent der Befragten den Irakeinsatz; 53 Prozent würden ihn akzeptieren, wenn Ruhe und Ordnung im Land wiederhergestellt wären.

Das japanische Kontingent soll Anfang 2004 im Südirak stationiert werden. Tokio hatte sich zuletzt mit 450 Soldaten an einer Blauhelmmission in Osttimor beteiligt und stellt einen Zerstörer für die Anti-Terror-Operation "Enduring Freedom". (mab, Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 10.12.2003)