Bogota - Die Freilassung der von linksgerichteten Rebellen festgehaltenen Geiseln in Kolumbien verzögert sich. Die Kämpfer des Nationalen Befreiungsheeres (ELN) wollen den Briten und die vier Israelis nicht wie zunächst angekündigt vor Weihnachten übergeben, wie Vermittler der katholischen Kirche am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP sagten. Die Rebellen begründeten dies demnach mit der Armeepräsenz in der Region, in der sie sich mit den Entführten versteckt halten. Er werde den Dialog mit den Geiselnehmern fortsetzen, sagte der Leiter der kirchlichen Vermittlungsmission, Bischof Hector Fabio Henao.

Die ELN-Rebellen hatten Mitte September in der Nähe der historischen Ruinenstadt Ciudad Perdida insgesamt acht Touristen entführt, darunter eine Deutsche. Einer der Briten konnte kurz danach fliehen. Die Bremerin und ein Spanier wurden Ende November nach 74 Tagen Geiselhaft frei gelassen. Mit der Geiselnahme will die Guerilla nach eigenen Angaben auf die Not verarmter indianischer Bauern in der Sierra Nevada de Santa Maria und ihre Drangsalierung durch Soldaten aufmerksam machen.

Angehörige von politischen Geiseln besetzten Kirche

Angehörige von Geiseln kolumbianischer Rebellen haben in Bogota eine Kathedrale besetzt, um die Regierung zu neuen Gesprächen mit der linken Guerillabewegung FARC zu zwingen. Mehr als 25 Personen - darunter fünf Kinder - begaben sich am Dienstag in das Gotteshaus aus dem 17. Jahrhundert unweit des Präsidentenpalastes. Das aufgebrachte Kirchenpersonal versperrte das Portal, um weitere Angehörige abzuwehren. Bereitschaftspolizei bezog Stellung, griff jedoch zunächst nicht ein.

"Wir werden bleiben, bis die Regierung handelt", sagte Juan Carlos Lecompte einem Reporter der Nachrichtenagentur AP durch einen Spalt in der Tür. Lecompte ist der Ehemann der früheren Senatorin Ingrid Betancourt, die während ihre Präsidentschaftskampagne im vergangenen Jahr von den Aufständischen gekidnappt wurde. Die FARC-Rebellen halten Dutzende politische Gefangene, darunter Polizisten, Politiker, Soldaten und drei Mitarbeiter der US-Armee.

Ihre Angehörigen wollen den unnachgiebigen Präsidenten Alvaro Uribe drängen, wie in seiner Regierungserklärung versprochen ein humanitäres Abkommen mit den Aufständischen zu schließen, um die Gefangenen frei zu bekommen. Die Regierung reagierte zunächst nicht auf die Aktion. (APA/AP)