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'Arise' von Tal R (2003)

Foto: APA/VICTORIA MIRO GALLERY

Wien - Bunt, vielfältig, verspielt und humorvoll ist das Universum des dänisch-isrealischen Künstlers Tal R, dem die Bawag Foundation ab Freitag die erste Retrospektive in Österreich widmet. Unter dem Titel "Arcade" sind bis 28. Februar Gemälde, Collagen, grafische Arbeiten und erstmals auch Skulpturen zu sehen.

"Mutterschiff" nennt sich ein schwarz-silbernes Holzobjekt in der Größe eines Kleinwagens, das an eine Mischung aus Sarg, Solarium, Ufo und Hamburger erinnert. Die Form taucht auch in anderen Werken wieder auf. In der vier mal vier Meter großen bunten Stoff-Collage "Arise" etwa oder dem kleinen schwarz-weißen Holzschnitt "Mumme" steigt sie in Form von kleinen, größer werdenden Tupfen aus der Erde auf.

Fast alle Bilder sind dreigeteilt, in einen unteren Streifen, der die Basis und Schwerkraft markiert, eine weiße, mitunter von Farbflecken wie eine Palette durchsetzte Leiste am oberen Rand, und den eigentlichen Bildteil in der Mitte - eine Art selbstreflexiver Verweis auf das Bildermachen an sich, erklärte Tal R bei der Presseführung am Donnerstag, auch "die Idee, etwas aus nichts zu schaffen", wie bei den Mythen vom Golem und von Frankenstein, steht dahinter.

"In jeder Arbeit steckt ein Witz"

Im Erdgeschoss der Bawag Foundation regiert die Farbe: Porträts in Form von fußballartigen Stoffskulpturen, großformatige Collagen und Gemälde mit kindlichem Formenvokabular. Asger Jorns und die Cobra Künstler fallen einem ein. "In jeder Arbeit steckt ein Witz", erläutert Tal R, "Ich kann zum Beispiel einen ganzen Abend darüber lachen, ob einer bestimmten Person nun mehr Lila entspricht oder doch ein bestimmtes Dunkelgrün", kommentiert er seine Porträts.

"In jeder schlechten Zeichnung gibt es eine gute Ecke", meinte Tal R zu einer Collage aus lauter kleinen bekritzelten Zetteln, die er zwischen 2000 und 2003 in seinem Atelier gesammelt und demgemäß verwertet hat. Eine weiß-in-weiße Stoffcollage mit ausgeschnittenen Punkten habe damit zu tun, dass jeder Künstler einmal in seinem Leben ein weißes Bild gemacht haben müsse. Und ein ganz in Silber gehaltenes Relief mit Glitterpünktchen verkörpert alles, was er an Kunst nicht leiden kann: "In jeder Ausstellung sollte auch ein schlechtes Bild sein."

Keller und Höhlen im Keller

Das Untergeschoss ist dann das Reich von Schwarz und Weiß, mit surrealen, skurrilen, unheimlichen Zeichnungen und Collagen, zum Teil auf ein Vielfaches vergrößert. Immer wieder kommen Keller und Höhlen vor - ein Ausdruck dessen, was unter der Oberfläche, auch der Gesellschaft, verborgen ist.

"Arcade", der Titel der Schau, verweist auf die Wiederholung bestimmter Elemente wie bei einem Arkadengang und auf das "Hotel Arcade" in Jim Jarmuschs Film "Mystery Train", in dem sich mehrere Episoden und Zeichensysteme überkreuzen. So lässt sich das Werk des Künstlers verstehen: als viele Geschichten, die sich überschneiden. So versteht sich auch diese Personale: als "Gruppenausstellung eines einzelnen Künstlers." (APA)