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Das Auditorium Maximum der Universität Wien war bis auf den letzten Platz gefüllt.

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Wien - Wiens Kassenärzte haben einander am Donnerstagabend Mut für die weiteren Kassenverhandlungen mit der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) zugesprochen. Rund 1.100 Mediziner folgten der Einladung der Ärztekammer ins Auditorium Maximum der Universität Wien. Kammer-Vizepräsident Johannes Steinhart gab sich dabei angesichts des drohenden vertragslosen Zustands kämpferisch: "Wichtig ist, dass wir als Ärzteschaft Kante zeigen. Es muss nicht immer harmonisch sein", betonte er unter dem Applaus der Kollegen.

Präsident Walter Dorner appellierte in dem bis auf den letzten Platz gefüllten Saal an die Solidarität der Mediziner. "Bitte stehen Sie zu uns, auch in den nächsten Tagen", sagte er. Konfliktfreudig gab sich Fachärzte-Vertreterin Helga Azem: "Wir werden sicher keine Weicheier sein in den Verhandlungen", rief sie in die Menge. Auch Azem hob den Zusammenhalt aller Ärzte hervor. Fachärzte und Allgemeinmediziner würden einander "sicher nicht auseinander dividieren lassen".

Vertragsverhandlungen am Samstag

Bereits am Samstag steht nach Kammer-Angaben die nächste Verhandlungsrunde mit der WGKK an. Zuletzt hatte es am vergangenen Montag Gespräche gegeben, die ohne Ergebnis geblieben waren - laut Kasse, weil die Ärzte die angebotene Honorarerhöhung von zwei Prozent nicht akzeptieren wollten, laut Kammer, weil die WGKK die Anhebung mit einer Verdoppelung der Generika-Verschreibungsquote verknüpfen will.

"Sanktion und Degression stoßen bei uns auf Beton", hieß es daher auf einem Plakat im Saal. Gemeint war auch die Ablehnung geringerer Honorare für Ärzte mit höheren Patientenzahlen. Steinhart formulierte ein Bekenntnis zur Ökonomie, aber keinesfalls zu Rationierungen auf Kosten der Patienten- "und schon gar nicht auf unsere Verantwortung". Ähnlich Praktiker-Vertreter Rolf Jens: "Es wird keinen Vertrag geben, wenn wir als Behandlungsverweigerer bei unseren Patienten da stehen."

"Kopf im Sand - Hauptverband"

Als Feindbild fungierte bei der Versammlung neben der Kasse, die den bisherigen Vertrag per Jahresende gekündigt hat, vor allem der Hauptverband der Sozialversicherungsträger mit seinen Sparvorgaben: "Hauptverband - Radikal, Illegal" und "Kopf im Sand - Hauptverband", lautete der Text weiterer Plakate.

Dorner und Steinhart verwiesen auf die Einmaligkeit der derzeitigen Situation: Noch nie zuvor in der zweiten Republik habe eine Sozialversicherung in Wien eine Vertragskündigung vorgenommen. Es gehe dabei nicht um ein "Säbelrasseln" oder "taktische Manöver": Faktum sei, dass weniger als einen Monat vor Ablauf noch keinen neuen Vertrag gebe. Präsentiert wurde aber auch bereits Ausverhandeltes: So habe man etwa die drohende Streichung von 200 Kassenplanstellen verhindern können. (APA)