Elefantenhochzeit in der Musikbranche: Bertelsmann und Sony haben nach wochenlangen Verhandlungen die Fusion ihrer Musiksparten Sony Music und BMG zum zweitgrößten Musikkonzern der Welt vereinbart. Die Verträge seien am Freitag unterzeichnet worden, berichteten die Unternehmen in einer gemeinsamen Erklärung. Das neue Unternehmen mit Hauptsitz in New York soll Sony BMG heißen und zu je 50 Prozent im Besitz beider Konzerne sein.

Mit einem Umsatz von rund vier Mrd. Euro wäre Sony BMG die Nummer zwei auf dem Weltmarkt hinter Marktführer Universal Music. Voraussetzung ist allerdings, dass die Kartellbehörden in den USA und Europa grünes Licht für die Fusion geben.

Mit ihren Verschmelzungsplänen reagieren die Konzerne auf die Krise im weltweiten Musikmarkt, wo kostenlose Internet-Tauschbörsen und eine Flut von Raubkopien zu dramatischen Umsatzeinbrüchen geführt haben. Die Unternehmen erhoffen sich von von der Fusion Einsparungen in Höhe von 200 bis 300 Mio. Euro.

"Klares Bekenntnis zum Musikgeschäft"

Bertelsmann-Chef Gunter Thielen betonte: "Die Gründung eines gemeinsamen Musikunternehmens mit Sony ist ein Beleg für unser klares Bekenntnis zum Musikgeschäft. Das Musikgeschäft behält für Bertelsmann eine Schlüsselrolle." Howard Stringer, Chef der Sony Corporation of America, sagte: "Diese Vereinbarung ist ein großer Schritt zur Revitalisierung des Musikgeschäftes im 21. Jahrhundert. Die beiden Partner passen hervorragend zueinander." BMG-Chef Rolf-Schmidt-Holtz erklärte: "Mit dieser Vereinbarung sichern wir unsere Zukunft ab."

Das letzte Wort haben nun allerdings die Wettbewerbsbehörden in Washington und Brüssel, die die Fusion genehmigen müssen. In Washington haben die Konzerne die Fusion bereits angemeldet, in Brüssel soll dies in den nächsten Tagen geschehen.

Kartellwächter habens nicht einfach

In der Vergangenheit hatten die Kartellwächter wiederholt Zusammenschlüsse in der Musikbranche verhindert. Branchenkenner gehen deshalb davon aus, dass es auch für Sony und Bertelsmann nicht einfach werden wird, die Genehmigung für ihre Pläne zu bekommen. Doch hoffen die Unternehmen, dass die Wettbewerbsbehörden angesichts der desolaten Branchenlage ihre bisherige harte Haltung überdenken werden. Die Überprüfungen dürften Wochen oder sogar Monate dauern.

Um die Chancen für ein "Ja" der Wettbewerbshüter zu erhöhen, haben sich die Konzerne darauf verständigt nur die Sparten für das Tonträgergeschäft von BMG und Sony Music Entertainment miteinander zu verschmelzen. Die Musikverlage (Music Publishing), die Auslieferung und die CD- und DVD-Produktion beider Mutterfirmen sind nicht von der Fusion betroffen. Auch das japanische Musikgeschäft von Sony wird in das fusionierte Unternehmen nicht eingebracht.

Zu den von BMG und Sony vertretenen Musikern gehören unter anderem Pink, Justin Timberlake, Alicia Keys, Michael Jackson und Billy Joel. (APA/AP)