Bregenz - Vorarlberg und Burgenland seien in vieler Hinsicht Umwelt-Musterländer, die bezeichnenderweise jeweils am Rand von Österreich liegen würden. Ein solches Prädikat verpflichte ein Gebirgsland mit hohem Naturwert und wachsendem Druck auf den freien Raum ganz besonders, um den hohen Standard zu halten und nach Möglichkeit auszubauen. Das betonte der Vegetationsökologe und Naturschutzforscher Univ.-Prof. Georg Grabherr (Uni Wien) am Freitag in seiner Funktion als Vorsitzender des Vorarlberger Naturschutzrates in Dornbirn.

Anlass war die in der neuen Erlebnis-Naturschau "inatura" erfolgte Präsentation des (nach 2000) zweiten Berichtes zu "Natur und Umwelt in Vorarlberg". Das grundsätzliche Umwelt-Lob des Naturschutzrates ist nicht uneingeschränkt. Neben vielen positiven Entwicklungen und Beispielen listet der kritische Bericht Trends und Entwicklungen, aber neben positiven Beispielen auch eine Reihe von Mängeln, Versäumnissen und Forderungen im Bereich Verkehrs-, Landwirtschafts- oder Tourismuspolitik auf.

Betreuersystem urgiert

Beispielsweise urgiert das Beratungsgremium Naturschutzrat ein professionelles und permanentes Betreuersystem für die touristisch am stärksten belasteten Schutzgebiete am Bodensee (Mehrerauer Ufer, Rheindelta). Dabei sollten die Erholungssuchenden aber nicht in Rancher-Manier vertrieben, sondern informiert werden, sagte Grabherr. Im Lauteracher Ried fordert das Gremium eine fachlich korrekte Ausweisung als Natura 2000 Gebiet, sonst werde sich das Land einer Klage stellen müssen. Für die Grünzone im Rheintal und Walgau erwartet der Bericht bis 2006 ein Landschaftsentwicklungskonzept und bei neuen Betriebsansiedlungen erwartet Grabherr neben anderen Vorschriften auch ein gesetzliches "Mobilitätsmanagement".

Das Vorarlberger Tourismuskonzept aus dem Jahr 1992 sei etwa angesichts des Golfplatz-Booms überholt und müsse dringend überarbeitet und aus Naturschutz-Sicht erweitert werden. Neben dem grundsätzlichen Ja zu Radwegen stellt sich der Naturschutzrat gegen einen Radweg in der sensiblen Bregenzerach-Schlucht.

Förderungen gemängelt

Bemänglet wird in dem Bericht auch, dass landwirtschaftliche Förderungen zu wenig auf innovative ökologische Leistungen abgestimmt seien. Biologische Wirtschaftsweise werde gleich behandelt wie etwa der Verzicht auf Ertrags steigernde Betriebsmittel auf Einzelflächen. Die Diskussion über einen "Vorarlberger Weg" der Landwirtschaft stecke erst in den Anfängen.

Unabhängig davon hat Agrar-Landesrat Erich Schwärzler am Freitag mitgeteilt, auch Leistungen von Kleinbauern, die weniger als zwei Hektar Boden bewirtschaften, würden in Vorarlberg vom Land eigens gefördert, weil sie keine ÖPUL-Mittel erhielten. Die Vorarlberger Landesregierung habe kürzlich Beiträge in Gesamthöhe von 72.900 Euro für 277 Betriebe bewilligt. (APA)