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Foto: Reuters/Arnd Wiegmann
Hannover - Jeder Einkaufsbummel ist für sie ein kleiner Albtraum: Nie können sie die Preise richtig addieren und ausrechnen, ob das Geld im Portemonnaie überhaupt reicht. Rund vier Prozent aller Kinder leiden an einer schweren Rechenschwäche, der so genannten Dyskalkulie. Bei ihnen entwickelt sich das mathematische Verständnis nur langsam oder unvollständig. "Während normalerweise Babys schon mit wenigen Monaten Mengen abschätzen und unterscheiden können, ist dies bei einer Rechenstörung selbst für Schulkinder noch schwierig", berichtet der deutsche Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie in Hannover.

Weder mangelnde Intelligenz noch unzureichender Unterricht oder fehlende Übung sind dafür verantwortlich, wie die Experten betonen: Die Ursachen könnten vielmehr sowohl in einer Störung der persönlichen Lernentwicklung als auch in einer Einschränkung jener Funktionseinheiten im Gehirn liegen, die für die Zahlenverarbeitung verantwortlich seien. Aber auch eine Beeinträchtigung im Sprachverständnis könne die Rechenschwäche auslösen: "Mathematik ist und hat eine eigene Sprache, die erlernt werden muss", erklärt der Verband.

Einfluss auf Schullaufbahn

Ohne Hilfe leiden die Betroffenen nach Angaben der Experten ein Leben lang unter Dyskalkulie: "Was die Grundrechenarten Plus, Minus, Mal und Geteilt-Durch bedeuten und wie sie angewendet werden, erschließt sich nicht." Viele könnten nicht die Schullaufbahn bestreiten, die ihren übrigen Fähigkeiten entspreche. Denn eine Sechs in Mathe gefährde die Versetzung, oder es drohe sogar der Wechsel auf eine Sonderschule.

Der Bundesverband fordert daher, Schülern bei einer schweren Rechenstörung den gleichen Nachteilsausgleich zu gewähren wie Kindern mit Lese- und Rechtschreibschwäche: Sie sollten einen besonderen Förderunterricht mit beschreibenden Beurteilungen an Stelle von Notenziffern erhalten. Im Matheunterricht sollten sie Aufgaben lösen, die ihrem Leistungsstand entsprächen und ihn verbesserten. Schließlich dürfe die Dyskalkulie kein Anlass dafür sein, den Betroffenen den Zugang zur nächst höheren Klasse oder zur weiterführenden Schule zu verwehren. (APA/AP)