München - Der Schriftsteller und Drehbuchautor Günter Seuren ist im Alter von 72 Jahren in München gestorben. Das teilte der Eichborn Verlag (Frankfurt/Main) am Freitag mit. Nach Angaben der Münchner "Abendzeitung" (Freitagausgabe) starb Seuren bereits am Mittwochabend an einem Herzinfarkt. Er habe gerade an seinem jüngsten Roman "Das Floß der Medusa" gearbeitet.

Nach ersten Gedichten und Erzählungen gelang Seuren, der auch zahlreiche Drehbücher für Dokumentarfilme verfasst hat, mit seinem Erstlingsroman "Das Gatter" 1964 der literarische Durchbruch. Das autobiografisch geprägte, skeptische Selbstbildnis einer Generation wurde von Peter Schamoni unter dem Titel "Schonzeit für Füchse" verfilmt. Seuren erhielt für sein Drehbuch dazu 1966 auf der Berlinale den Silbernen Bären.

Auch sein zweiter Roman "Lebeck" (1966), die "Geschichte eines verhinderten Helden", der sich durch eine heimliche Hungerkur erfolgreich der Teilnahme am Zweiten Weltkrieg entzieht, wurde ein Film- und Fernseherfolg. In seiner Erzählung "Abschied von einem Mörder" (1980) setzte sich Seuren kritisch mit der SS-Karriere seines im Krieg gefallenen Vaters auseinander. Für die noch von Heinrich Böll 1985 herausgegebene Anthologie "Niemandsland" schrieb er den Beitrag "Der Krieg stirbt langsam".

In dem Roman "Die Asche der Davidoff" (1985) beleuchtete Seuren ironisch die Münchner Film-Szene und in der von Theodor Kotulla verfilmten Erzählung "Der Angriff" (1982) setzte er sich mit der zunehmenden Gewalt auseinander. Auf die Spuren historischer Stationen und Dramen um legendäre Schätze begab sich Seuren in der TV-Serie "Schatzsucher". 1989 erschien dazu die Dokumentation "Schätze dieser Erde", ein Buch über die Geschichte der Jagd nach dem Abenteuer, nach Glück und Gold.

Seine berufliche Laufbahn hatte der im niederrheinischen Wickrath bei Mönchengladbach geborene Autor mit Comic-Texten, Fortsetzungsberichten und kleinen Geschichten in der Unterhaltungspresse begonnen. Seit 1983 lebte Seuren in München. Zuletzt erschienen der Roman "Die Krötenküsser" (2000) und das Schurkenstück "Jenseits von Wimbledon" (2002), in dem Seuren Steffi Graf und dem Starkult um den "weißen" Sport ein satirisches Denkmal setzt.(APA/dpa)