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Der deutsche Bundespräsident Johannes Rau kann die polnische Haltung nicht nachvollziehen.

Foto: APA/Ivan Franco
Berlin – Der deutsche Bundespräsident Johannes Rau, der sich bei tagesaktuellen Fragen normalerweise zurückhält, hat im Gespräch mit Auslandskorrespondenten am Freitag in Berlin ungewöhnlich deutlich die Haltung Polens in der EU-Verfassungsdebatte kritisiert. "Die Frage der doppelten Mehrheit ist kein Überfall, sondern ein substanzieller und gut begründeter Vorschlag." Die Entscheidung darüber zu verschieben, halte er für "nicht hilfreich". Rau, der am Donnerstag in Berlin seinen polnischen Amtskollegen Aleksander Kwa´sniewski in Berlin zum Einlenken zu bewegen versucht hat, stellte klar: "Besser gar keine Verfassung als eine schlechte."

Befürchtungen nachvollziehbar

Ob er die Befürchtungen kleinerer EU-Länder bezüglich eines deutsch-französischen Diktats verstehen könne? "Das kann ich nachvollziehen. Wenn in Europa einer die Nummer eins sein will, gibt es kein Europa." Rau sagte zum Standard, er wolle im März Bundespräsident Thomas Klestil zu einem Besuch empfangen. Klestil war zuletzt 1993 zu einem Staatsbesuch in Deutschland. (DER STANDARD, Printausgabe 13./14.12.2003)