Brasilia - Erstmals seit dem Scheitern der Freihandels- Gespräche von Cancun haben sich die Entwicklungs- und Schwellenländer getroffen, um über Aktionen gegen die protektionistischen Maßnahmen der Industrieländer zu beraten. In der brasilianischen Hauptstadt Brasilia rief die neue "Gruppe der 20" (G-20) am Freitag alle Länder der Welthandelsorganisation WTO auf, die nächsten Gesprächsrunden mit "offenem Geist und Konsensbereitschaft" anzugehen. Der Agrarbereich sei für den Erfolg der Gespräche von entscheidender Bedeutung.

"Die G-20 ist gerade dabei, die Parameter der internationalen Verhandlungen zu ändern", meinte Brasiliens Staatspräsident Luiz Inacio "Lula" da Silva in seiner Eröffnungsrede. Lula sagte, man werde darum kämpfen, dass die Regeln nicht mehr von einigen wenigen reichen Ländern diktiert würden. "Die Gruppe der 20 vertritt 60 Prozent der Weltbevölkerung. Wir brauchen einen wirklich offenen und ausgeglichenen internationalen Handel", forderte der Sozialist.

Am Treffen der Minister und ranghohen Beamten in Brasilia nahmen auch der Handelskommissar der Europäischen Union, Pascal Lamy, sowie WTO-Generaldirektor Supachai Panitchpakdi teil. Die G-20 beriet nach Angaben des brasilianischen Außenministeriums über neue Aktionen sowie über eine gemeinsame Position für das WTO-Rats-Treffen nächste Woche in Genf. Die G-20 fordert unter anderem die Abschaffung oder zumindest eine deutliche Senkung der Produktions- und Exportsubventionen in den reichen Staaten. (APA/dpa)