London - Oxford sammelt für das Original-Manuskript des Grusel-Klassikers "Frankenstein". Die Handschrift der englischen Autorin Mary Shelley (1797-1851) ist für die Bodleian Library, die wichtigste Forschungsbibliothek der Universität Oxford, von unschätzbarem Wert. Doch obwohl das Werk dort seit mehr als hundert Jahren einzusehen ist, befindet es sich bisher nicht in ihrem Besitz. Nach einer Mitteilung vom Samstag hat der National Heritage Memorial Fund, eine Stiftung zum Erhalt englischen Kulturguts, nun drei Millionen Pfund (4,3 Millionen Euro) zum Ankauf des Manuskripts und einiger anderer Shelley-Dokumente zur Verfügung gestellt.

Darunter sind die Korrespondenz von Mary Shelleys Ehemann, dem Dichter Percy Bysshe Shelley, sowie Briefe und Papiere ihrer illustren Eltern: der frühen Feministin Mary Wollstonecraft und William Godwin, einem der führenden Intellektuellen seiner Zeit. Shelley hatte das Frankenstein-Manuskript 1851 ihrem Sohn vermacht. Durch dessen Witwe gelangte ein Teil der Papiere 1893 in die Bodleian Library, ein weiterer kam nach dem Ersten Weltkrieg dazu. Eigentümer eines Großteils der Dokumente war ein reicher englischer Adeliger, der Baron Abinger. Seit seinem Tod im vergangenen Jahr steht die Sammlung zum Verkauf.

500 000 Pfund fehlen

Mit dem Erwerb durch die Bibliothek soll verhindert werden, dass der Nachlass in der ganzen Welt verstreut wird. Zusätzlich zu den vom National Heritage Memorial Fund bereitgestellten Geldern hat die Bodleian Library selbst rund 350 000 Pfund für den Kauf zusammengetragen. Bis zum März kommenden Jahres will sie die noch fehlenden 500 000 Pfund aufbringen.

Das Manuskript gilt als wichtiges literaturgeschichtliches Dokument, es enthält zudem auch Hinweise auf seine Entstehung: Zahlreiche Korrekturen von Mary Shelleys Mann lassen dessen Einfluss auf die Erzählung erkennen. Entstanden war die Idee zu dem Werk, das zahlreiche Bühnen-, Comicbuch- und Filmversionen inspirierte, 1816 auf einer Reise des Dichter-Ehepaars an den Genfer See. Dort führten sie mit Lord Byron und einem weiteren Freund nächtliche Gespräche über Gespenster-Geschichten. Die dabei erörterte Frage, ob ein Blitzschlag einen toten Körper wiederbeleben könnte, diente als direkte Inspiration für die Erzählung.(APA/dpa)