Berlin/Paris/Rom/Brüssel/London/Berlin/Tokio - Die europäischen Regierungen haben die Festnahme des gestürzten irakischen Machthabers Saddam Hussein begrüßt. Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder äußerte die Hoffnung auf eine Stabilisierung der Lage in dem kriegszerstörten Land. In einem Glückwunsch-Schreiben an US-Präsident George W. Bush erklärte Schröder am Sonntag, Saddam habe unsägliches Leid über das irakische Volk und die gesamte Region gebracht. "Ich hoffe, dass seine Festnahme die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft zum Wiederaufbau und zur Stabilisierung des Irak fördern wird", schrieb Schröder. "Mit großer Freude habe ich von der Festnahme von Saddam Hussein erfahren, ich beglückwünsche Sie zu dieser erfolgreichen Aktion", heißt es in dem von der deutschen Bundesregierung verbreiteten Schreiben zudem.

"Demokratisierung und Stabilisierung"

Der französische Staatspräsident Jacques Chirac zeigte sich erfreut über die Festnahme. "Die Verhaftung ist ein größeres Ereignis, das erheblich zur Demokratisierung und Stabilisierung des Iraks beitragen dürfte", sagte Chiracs Sprecherin Catherine Colonna am Sonntag in Paris. Damit werde es den Irakern ermöglicht, ihr Schicksal in einem souveränen Irak wieder in die eigenen Hände zu nehmen. Frankreich war ein führender Gegner des von Washington und London geführten Krieges gegen den Irak.

Der italienische Außenminister und EU-Ratsvorsitzende Franco Frattini bezeichnet die Festnahme des ehemaligen irakischen Machthabers als die "entscheidende Wende im Kampf gegen die Guerilla". "Die Gefangennahme des Diktators ist offensichtlich der entscheidende Schlag gegen die todbringende irakische Guerilla", sagte Frattini. Den Truppen der internationalen Koalition im Irak sei der Beweis gelungen, dass sie Saddam als Symbol des irakischen Terrors gestürzt hätten, fügte er in einem Interview mit dem italienischen Rundfunk hinzu. Italien unterstützt die USA und Großbritannien im Irak mit rund 3000 Soldaten.

NATO-Generalsekretär George Robertson begrüßte die Festnahme Saddams. Diese Gefangennahme werde "helfen, die Demokratie im Irak aufzubauen" und den Wiederaufbau des Landes voranbringen, sagte Robertsons Sprecher, Jamie Shea, am Sonntag in Brüssel. Die NATO hoffe, dass nach der Festnahme auch die Zahl der Anschläge zurückgehen werde.

Blair: Albtraum vorüber

Der britische Premierminister Tony Blair, der am Sonntag als einer der ersten von der Verhaftung erfuhr, sagte, für das irakische Volk sei der Albtraum einer möglichen Rückkehr des Regimes nun vorüber. "Das ist eine sehr gute Neuigkeit für das irakische Volk", sagte Blair. Saddam Husseins Verhaftung könne den Beginn besserer Zeiten in Irak markieren. Sie gebe den Koalitionstruppen die Möglichkeit, "einen Schritt voranzugehen". "Wir sollten jetzt versuchen, ganz Irak zu vereinigen, indem wir das Land wieder aufbauen und ihm einen neue Zukunft anbieten", sagte Blair.

Aznar: "Großer Tag für die Menschheit"

Auch der spanische Ministerpräsident Jose Maria Aznar begrüßte die Nachricht. Seine Außenministerin Ana Palacio sprach von einem "großen Tag für die Menschheit". "Der schreckliche Schatten dieses blutigen Diktators wird verschwinden", sagte Palacio. Der australische Außenminister Alexander Downer erklärte, die Verhaftung des Exdiktators berge "das Potenzial, die Situation vor Ort zu ändern".

Fischer: Festnahme Saddams wichtiger Erfolg für Stabilität

Der deutsche Außenminster Joschka Fischer (Grüne) sieht nach der Festnahme des irakischen Ex-Diktators wachsende Chancen für eine Stabilisierung der Lage in Irak. Vor Journalisten in Berlin nannte Fischer die Festnahme am Sonntag einen "wichtigen Erfolg im Interesse von Frieden und Stabilität für das irakische Volk". "Ich denke, jetzt besteht auch die Chance, dass die Gewalt abnimmt, der Terror zum Stillstand kommt im Land, der Wiederaufbau energisch vorangebracht werden kann und gleichzeitig darüber hinaus auch eine schnellere Souveränitätsübertragung auf eine Übergangsregierung der Iraker möglich ist." Dies alles werde zur Stabilität in der Region beitragen. Fischer fügte hinzu, Saddam sei ein "brutaler Diktator" gewesen, der nun "seiner gerechten Strafe zugeführt" werde.

Auch die japanische Regierung hat die Festnahme Saddam Husseins begrüßt. Regierungssprecher Yasuo Fukuda sagte Sonntagnacht (Ortszeit) in einer Stellungnahme, die Festnahme Saddams sei ein "großer Schritt des Sieges für die internationale Gemeinschaft", die sich damit abmühe, den Irak zu befreien und wieder aufzubauen. Die japanische Regierung hatte kürzlich beschlossen, eigene Soldaten zum Wiederaufbau des Zweistromlandes zu entsenden. Ein Zeitpunkt steht aber noch nicht fest. Am Sonntag demonstrierten Tausende in Japan gegen die heftig umstrittenen Entsendungspläne der Regierung.

Solana: "Wichtiger Tag"

Als einen "sehr wichtigen Tag für das irakische Volk" hat der EU-Repräsentant für die gemeinsame Außen-und Sicherheitspolitik, Javier Solana, die Festnahme des Ex-Machthabers Saddam Hussein gewürdigt. "Die Festnahme Saddam Husseins sollte zur Stabilität in dem Land und einer Beschleunigung von Wiederaufbau und Demokratisierung beitragen", erklärte Solana am Sonntag in Brüssel in einer ersten Stellungnahme.

Australiens Premier Howard "hoch erfreut"

Der australische Regierungschef John Howard zeigte sich "hoch erfreut". Dies bedeute das Ende einer gewaltigen Last und großer Ängste für das irakische Volk, teilte Howard am Sonntag nach Angaben der australischen Nachrichtenagentur AAP mit. "Die Gefangennahme Saddams ist ein riesiger Schub für Freiheit und Demokratie im Irak." Australien hatte sich mit rund 2000 Soldaten an der US-geführten Invasion des Irak beteiligt.

"Schlag gegen internationalen Terrorismus"

Saddams Festnahme wurde auch vom italienischen Verteidigungsminister Antonio Martino begrüßt. "Wir hoffen, dass Saddams Festnahme zum Ende der verheerenden Terrorwelle führen wird", kommentierte Martino. Im Irak sind rund 2400 italienische Soldaten stationiert. Der italienische Europaminister Rocco Buttiglione sprach von einem verheerenden Schlag gegen den internationalen Terrorismus. "Wir dürfen nicht glauben, dass Saddams Festnahme sofort das Ende der Terroranschläge bedeuten wird. Sie wird seine Anhänger jedoch stark deprimieren. Jede Hoffnung auf eine Rückkehr des alten Regimes ist für sie vernichtet", sagte Buttiglione.

"USA befreiten Welt von großem Dämon"

Auch der saudiarabische Botschafter in Washington begrüßte die Festnahme. "Die Gefangennahme beendet ein scheußliches Kapitel in der Geschichte des Irak und der ganzen Region", sagte Prinz Bandar Ben Sultan am Sonntag. "Saddam Hussein war eine Bedrohung für die arabische Welt und wir erinnern uns an seine Terrorherrschaft wegen seiner Brutalität, seiner Aggressivität und seiner Unterdrückung." Die US-Streitkräfte hätten "die Welt von einem großen Dämonen befreit". Syrien forderte nach der Festnahme Saddam Husseins erneut das Ende der Besatzung und die Übergabe der Macht an die irakische Bevölkerung.

Die Aktienmärkte im asiatisch-pazifischen Raum haben am Montag auf die Festnahme Saddam Husseins mit deutlichen Kursgewinnen reagiert. Ein Analyst eines Brokerunternehmens in Tokio sprach von einem "unerwarteten Weihnachtsgeschenk". Der Nikkei-Index in Tokio stieg zu Beginn des Handels um 253,01 Punkte oder 2,5 Prozent auf 10.422,67. Auch an den Börsen in Südkorea und Australien zogen die Kurse an. (APA/Reuters/dpa)