Paris - Für den Präsidenten des Europaparlaments Pat Cox ist das Scheitern des EU-Gipfels von Brüssel zur künftigen europäischen Verfassung ein "kollektiver Misserfolg". "Es ist eine Niederlage, aber nicht ein Desaster. Was uns dieses Wochenende gefehlt hat, ist ein hinreichend europäischer Geist, um eine Lösung zu finden, die die nationalen Interessen überwindet", erklärte Cox gegenüber der Pariser Tageszeitung "Le Figaro". "Es ist absolut notwendig, dass alle Regierungen in den kommenden Wochen und Monaten diese Klugheit wieder finden", meinte der EU-Parlamentspräsident und fügte hinzu: "Das ist die große Herausforderung. Dafür ist es vor allem notwendig, dass die Staaten nicht beginnen, den Einen oder Anderen zu beschuldigen, für das Scheitern verantwortlich zu sein. Es ist nicht die Schuld Frankreichs, Polens oder der italienischen Präsidentschaft. Wir sind alle ein bisschen Verantwortlich für diese Niederlage. Es ist ein kollektiver Misserfolg." Neue Verfassung weiterhin notwendig

Die Genehmigung einer neuen Verfassung sei "weiterhin notwendig". "Die aktuellen Abkommen sind nicht geeignet für ein Europa mit 25 Mitgliedern. Wir brauchen einen neuen text. Aber wir beginnen nicht wieder von Null auf. Das vom Reformkonvent erstellte Projekt, mit dem wir bereits weit vorangekommen sind, wird die Basis der Verhandlungen bleiben", so Pat Cox weiter.

Cox sprach sich überdies gegen die Schaffung eines "Kerneuropa" durch die Gründungsländer aus. "Ich respektiere die Gründungsländer und alle ihre Initiativen, wenn sie die Europäische Union stärken. Aber als Europäer und Ire, der nicht zu einem Gründungsland gehört, stehe ich all dem feindselig gegenüber, was in Richtung eines Ausschlusses geht. Wir sind alle Eigentümer Europas und seiner Werte. Jedes Land hat das Recht, gleich behandelt zu werden", betonte der Präsident des Europaparlaments. (APA)