Die Tarifverhandlungen für Tageszeitungsredakteure in Deutschland sind am Montag ohne wesentliche Annäherung vertagt worden. Die Tarifparteien vereinbarten, sich am 13. Jänner in Frankfurt am Main zur dann fünften Runde zu treffen, wie Matthias von Fintel von der Gewerkschaft ver.di mitteilte. Zuvor habe es in den nahezu fünfstündigen Gesprächen zwischen dem Bund Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) sowie ver.di und Deutschem Journalistenverband kaum Annäherung gegeben, sagte Fintel.

"Blockade in Reinform"

DJV-Verhandlungsführer Hubert Engeroff bezeichnete die Haltung der Arbeitgeber als "Blockade in Reinform". Unter dem Begriff Nachhaltigkeit wollten die Verleger Tarifabbau auf Dauer erreichen, kritisierte er. Ver.di-Vertreter von Fintel erklärte, man fühle sich nach den jüngsten Warnstreiks gestärkt. Die Verhandlungen wurden nach DJV-Angaben von Streiks bei Tageszeitungen in Bayern, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein begleitet, an denen sich insgesamt fast 1.000 Redakteure beteiligten. Bereits am vergangenen Donnerstag und Freitag hatten mehrere tausend Journalisten in sieben Bundesländern gestreikt.

Wirtschaftliche Realitäten

Der BDZV warnte die Gewerkschaften vor einer Blockadehaltung. "Wir gehen davon aus, dass die Gewerkschaften nun endlich die wirtschaftlichen Realitäten in den Verlagen zur Kenntnis nehmen und ihren Beitrag zu einem verantwortungsvollen Tarifvertrag leisten." erklärte BDZV-Verhandlungsführer Werner Hundhausen. Angesichts der anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Lage müsse auch die Tarifpolitik zur Senkung der Kosten beitragen.

Die Arbeitgeber wollen Gewerkschaftsangaben zufolge die Manteltarifvertragsbedingungen nachhaltig verschlechtern. So solle die tarifliche Wochenarbeitszeit um 3,5 auf 40 Stunden verlängert, der Urlaubsanspruch um fünf Tage gekürzt und das Urlaubsgeld auf 68 Prozent reduziert werden. Zudem soll im Gehaltstarifvertrag eine weitere Stufe der Berufsjahresstaffel gestrichen werden. Die Gewerkschaften haben zeitlich befristete Öffnungsklauseln für Verlage in nachgewiesenen Schwierigkeiten angeboten. (APA/AP)