Frankfurt - Eine verstärkte Furcht der Anleger vor weiteren Anschlägen hat am Dienstag erneut den Dollar belastet und dem Euro damit wiederholt zu einem Rekordhoch verholfen. "Neue Terroranschläge im Irak haben die in Folge der Gefangennahme Saddam Husseins kurzzeitig aufgeflammte Dollareuphorie rasch wieder eingedämmt", schrieben die Analysten der Helaba Trust in einem Marktkommentar.

Nach der Festnahme des Ex-Präsidenten Saddam am Wochenende hatten sich die Hoffnungen auf ein Ende der Anschläge im Irak als verfrüht erwiesen. Erneut gab es am Montag mehrere Tote und viele Verletzte bei Selbstmordanschlägen. US-Präsident George W. Bush warnte: "Die Terroristen im Irak bleiben gefährlich."

Allzeithoch

Der Euro notierte am Dienstagvormittag bei 1,2320 Dollar. Nach Reuters-Daten war die Gemeinschaftswährung zeitweise sogar bis auf 1,2355 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit ihrer Einführung an den Finanzmärkten im Jänner 1999 geklettert.

"Da eine Auflösung der geopolitischen Risikosituation in Nahost vorerst noch nicht in Sichtweite erscheint, bleibt ein wesentlicher Belastungsfaktor der US-Devise bis auf weiteres bestehen", hieß es in dem Kommentar der Helaba Trust weiter.

Je stärker der Euro ansteigt, desto größer wird nach Einschätzung von Analysten die Möglichkeit, dass die Konjunktur in der Euro-Zone davon belastet wird. Exportorientierte Unternehmen fürchten, dass der hohe Euro-Kurs ihre Produkte im Ausland teurer macht und ihnen somit ein Wettbewerbsnachteil entsteht.

Schmerzgrenze

"Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass von der EU-Kommission erstmals eine Schmerzgrenze für europäische Exporteure von 1,2000 genannt worden ist", schrieben die Helaba-Trust-Analysten. Das neue Rekordhoch des Euro sorgte am Dienstag auch für Kursverluste an den europäischen Aktienmärkten.

Am Montag hatte der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Otmar Issing, darauf aufmerksam gemacht, dass die EZB die Fähigkeit zu Interventionen am Devisenmarkt besitzt. "Wenn wir wollen, können wir", sagte Issing in München auf eine entsprechende Frage. Er erinnerte daran, dass die Notenbank schon zwei Mal in den Devisenmarkt eingegriffen habe. Zum aktuellen Wechselkurs des Euro sagte Issing: "Das entspricht ganz grob dem langfristigen Durchschnitt der Vorgängerwährungen."

Wichtige Impulse für den Devisenmarkt können nach Einschätzung von Händlern am Nachmittag von einer Reihe von US-Konjunkturdaten ausgehen. Für 14.30 Uhr MEZ werden unter anderem Daten zur Inflationsentwicklung sowie zu den tatsächlichen Einkommen im November erwartet. Vor allem werden aber die Daten zur Industrieproduktion im selben Monat im Mittelpunkt stehen, die gegen 15.15 Uhr veröffentlicht werden. (APA/Reuters)