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Die echten "Calender Girls" bei der Filmprämiere in London
Foto: REUTERS/STRINGER/UK
Wien - In Euro haben sie die Millionengrenze längst überschritten, in britischen Pfund soll diese bald ebenso fallen wie zuvor die Bademäntel der "Calendar Girls": 907.000 Pfund (1,293 Mill. Euro) haben die ganz normalen britischen Ladys im allerbesten Alter mit ihrem augenzwinkernden Nackt-Kalender bisher für die Leukämie-Hilfe eingenommen. Was zuerst "eine ziemlich bizarre Sache zu tun war, besonders für einen Sonntag Abend", hat sich zu einem "wundervollen Projekt" und einem "tollen Film" entwickelt, sagten zwei der originalen Calendar Girls, Ros Fawcett (Miss November) und Christine Clancy (September), am Dienstag bei einem Besuch in Wien.

Aufgemotzte Leben

Ein "bisschen interessanter als unsere wirklichen Leben" wurden die Rollen von Helen Mirren, Julie Walters und den anderen in dem Kinofilm "Calendar Girls" gestaltet, aber "wir waren erleichtert, wie gut der Film ist. Mittlerweile könnten wir selber mitspielen, wir kennen alle Texte auswendig", so Clancy und Fawcett. Die Ladys aus Rylstone waren aus dem Alltag ihres Frauenclubs, der mit Vorträgen etwa über die Geschichte des WCs ("Really!") "not very amusing" ist, mit den Nacktaufnahmen ausgebrochen, um Geld für die Krebshilfe zu sammeln. Und der ungewöhnliche Kalender war "sofort erfolgreich. Es waren wirklich die Presseleute aus aller Welt bei unserer Präsentation", so Clancy. "Es muss ansonsten ein flauer Nachrichtentag gewesen sein".

Neben Interview-Terminen u. a. in der berühmten Jay Leno-Show in den USA kamen die Ladys auch zu anderen öffentlichen Auftritten - wie zum Beispiel zu Einsätzen als Models. "Können Sie sich das vorstellen - wir zwischen diesen 1,80 großen, jungen Models auf dem Laufsteg?", so die nicht ganz so große und im Alter etwas überlegene Fawcett mit einem Lachen. Ganz so glamourös wie erhofft waren die Auftritte dann nicht: "Wir haben uns gedacht, wir laufen in Versace oder so etwas rum. Es war dann eine Schwarz-Weiß-Kollektion von Marks&Spencer", so Fawcett. "Marks&Spencer hatten danach übrigens ein schwieriges Jahr. Im folgenden Jahr modelten wir für C&A - die haben sich dann überhaupt aus England zurückgezogen. Wir sind der Kiss of Death für die Modeindustrie", lachten die beiden.

"Zu viele Nippel für die USA"

Dass der Erfolg "uns alle vor Prüfungen gestellt hat", bestreiten die spätblühenden Girls nicht. "Davon kann man verführt werden", wenn man wie etwa beim Filmfest von Locarno vor Dutzenden Fotografen und noch mehr Journalisten steht oder am roten Teppich in Hollywood hinter Kevin Costner ("leider nicht George Clooney") geht. Aber "Es geht nicht darum zu nehmen, sondern zu geben". Mit dem Geld, das mit dem Kalender eingenommen wurde, und dem Erlös aus den Filmrechten ("wohl unser einziger Filmvertrag jemals") konnten ein Labor und eine Leukämie-Forschungsstation an der Universität Leeds eingerichtet werden. Und das örtliche Spital hat - wie im Film - seine Couch bekommen. In Leder. Von einem Sponsor. Und die gute Tat geht weiter: Für 2004 gibt es einen Kalender, in dem zu Hälfte Fotos der Filmstars, zur anderen Hälfte der "originalen" Calendar Girls enthalten sind. Der ursprüngliche Kalender hatte "zu viel Nippel für die USA", lachte Fawcett.

Bunte Vergangenheit

Ihr "normales Leben" geht jedenfalls weiter, sagte Clancy, die gestern noch bis 12.30 Uhr in ihrem College arbeitete, bevor sie nach Wien flog. Im Flugzeug wurden sie von den Stewardessen erkannt, auch der Pilot wollte ein Bild der Damen. "Wir haben überlegt, ob wir ihm das erst geben sollen, wenn wir gelandet sind", so Fawcett. Dass eine der Filmcharaktere eine schwarze Tochter und eine Tätowierung hat, entspreche zwar nicht der Wahrheit, aber zeigt, dass "auch Frauen in unserem Alter eine bunte Vergangenheit haben können". Die in der Gegenwart wieder aufgefrischt werden kann: "Vielleicht lasse ich mir hier in Wien eine Tätowierung machen", meint Fawcett. "Eine Sonnenblume (das Symbol der 'Calendar Girls', Anm.) und eine Sachertorte vielleicht". (APA)