Alternative Telefonbetreiber, die über keine eigene Netzinfrastruktur verfügen, können künftig ihren Kunden selbst die Telekom Austria-Grundgebühr verrechnen. Damit erhalten Endkunden, die einen Telefonanschluss der Telekom Austria haben und auch über alternative Betreiber telefonieren, – voraussichtlich ab Herbst 2004 – nur mehr eine Rechnung für Grundgebühr und Gesprächsgebühr.

"Enorme Zugeständnisse"

Die Telekom Austria (TA) habe nach "intensivem Betreiben" der Telekom-Regulierungsbehörde RTR ihren Mitbewerbern ein dementsprechendes Großhandelsangebot gelegt, das "enorme Zugeständnisse" der TA gegenüber ihrem Erstgebot enthalte, teilte die RTR am Dienstag mit. Damit werde der so genannte "Wiederverkauf der Anschlussleistung" neben Dänemark, Großbritannien, Irland und Deutschland auch in Österreich als 5. EU-Staat möglich. Für den Kunden bedeute das "bessere Kostenkontrolle, mehr Übersichtlichkeit und größere Transparenz", so die RTR.

Testbetrieb bereits ab Juni 2004 möglich

Bei einem Vertragsabschluss zwischen alternativem Betreiber und TA noch vor Weihnachten könnte ein Testbetrieb bereits ab Juni 2004 aufgenommen werden, so die RTR. Ein Regelbetrieb wäre damit spätestens ab Herbst 2004 realisierbar. "Wir erfüllen damit den alternativen Betreibern einen lang gehegten Wunsch", stellte Telekom-Regulator Georg Serentschy fest. Für die Überlassung eines Anschlusses müssen die alternativen Netzbetreiber der TA monatlich 12,7 Euro pro Anschluss zahlen. Damit liege Österreich deutlich unter den Tarifen in Großbritannien, Dänemark und Irland. Die Preisgestaltung der Grundgebühr für den Endkonsumenten obliegt den alternativen Betreibern.

Stimulanz

Vor allem in ländlichen Gebieten waren Endkunden bisher bei einem Anschluss auf die Telekom Austria angewiesen, da der Aufbau einer eigenen Infrastruktur für alternative Betreiber nicht rentabel genug ist. Die RTR erwarte nun, dass die Möglichkeit des Wiederverkaufs der Grundgebühr durch steigende Anbietervielfalt und durch neue Produkte und Tarifmodelle den Wettbewerb stimuliere.

Unter Anschlussleistung, die mit der Telefon-Grundgebühr abgegolten wird, fallen Leistungen wie die Bereitstellung des Telefonanschlusses und der Zugang zu damit verbundenen Diensten wie Notrufe, Mehrwert- und tariffreie Dienste sowie zur Entstörung, Tarifzonensperre oder Rufumleitung.

Unzufrieden

Die größten alternativen Betreiber UTA Telekom, eTel und Tele2 haben sich am Dienstag über den von der Telekom-Regulierungsbehörde RTR festgesetzten Tarif von 12,7 Euro, den die alternativen Betreiber für die Überlassung eines Anschlusses an die Telekom Austria zahlen müssen, unzufrieden gezeigt. Die Höhe des Tarifs sei "eine Fortschreibung der bestehenden Diskriminierung", rechtliche Schritte – insbesondere auf EU-Ebene – würden daher geprüft, hieß es in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Zusatz- und Anlaufkosten

Der Tarif liege wesentlich über den um Gratisleistungen bereinigten Grundgebühr-Endkundentarifen der Telekom Austria, kritisieren die Betreiber, die gemeinsam rund 1,2 Millionen Kunden betreuen. Darüber hinaus enthalte dieses Angebot noch wesentliche Zusatz- und Anlaufkosten. Bei dieser Preisstruktur könne "kein marktkonformes, kostendeckendes Endkundenangebot" erstellt werden.

Die Betreiber hatten die EU-Wettbewerbsbehörde bereits im Laufe des Verfahrens von der angeblichen Diskriminierung in Kenntnis gesetzt. Da es sich bei der Preisfestlegung um eine Diskriminierung innerhalb des Grundgebührengefüges in Relation zum österreichischen Preisniveau handelt, sei der Hinweis der Regulierungsbehörde, dass es sich bei 12,7 Euro um den niedrigsten Reselling-Preis in Europa handle, für den österreichischen Markt "bedeutungslos".

Keine Partei

Den alternativen Anbietern sei im Zuge des Verfahrens von der Telekom Control Commission (TKK) keine Parteienstellung gewährt worden, dagegen habe man bereits eine Klage beim Verwaltungsgerichtshof (VwGH) eingebracht, dessen Entscheidung zu Jahresbeginn 2004 erwartet werde. Eine Entscheidung des VWGH, die den alternativen Anbietern Parteienstellung zuspricht, könnte dazu führen, das das Verfahren und damit auch die Preisfestlegung "komplett neu aufgerollt" werden könnte, meinen die Betreiber.

Alternative Telefonbetreiber, die über keine eigene Netzinfrastruktur verfügen, können einer aktuellen Entscheidung der RTR zufolge künftig ihren Kunden selbst die Telekom Austria-Grundgebühr verrechnen. Damit erhalten Endkunden, die einen Telefonanschluss der Telekom Austria haben und auch über alternative Betreiber telefonieren, – voraussichtlich ab Herbst 2004 – nur mehr eine Rechnung für Grundgebühr und Gesprächsgebühr. (APA)