Wien - Zum 25-jährigen Jubiläum des Linzer Computerkunstfestivals Ars Electronica wird deren CyberArts-Auszeichnung "Prix Ars Electronica" im kommenden Jahr mit der neuen Kategorie "Digital Communities" auf gesellschaftliche, politische und sozial-kulturelle Anwendungen des Internets ausgedehnt. Mit den zwei Goldenen Nicas in diesem Bereich wolle die Ars Electronica genau die Projekte auszeichnen, "die heute machen, was früher als Utopie für das Internet gesehen" und später "zynisch weggewischt" worden ist, so Leiter Gerfried Stocker am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien.

Verliehen werden die neuen Nicas am 23. Juni im Rahmen des Global Compact Meetings der Vereinten Nationen in New York, die übrigen Kategorien werden wieder im Rahmen des Computerkunstfestivals (das 2004 schon am 2. September beginnt und bis 7. September dauert) überreicht. Schon ab 12. Mai ist die Ars Electronica im Big Apple mit einer zweimonatigen Ausstellung an mehreren Orten vertreten, u. a. wird ein Rückblick auf vergangene Prix Ars Electronica-Preisträger geboten.

Internet-Comeback

Im Abebben der überidealistischen Internet-Visionen, dass das World Wide Web etwa der Demokratie zum Durchbruch verhelfen oder die Macht großer Konzerne unterwandern könne, seien "plötzlich Dinge im gesellschaftlichen, kulturellen oder politischen Bereich aufgetaucht, die tragfähig sind", so Stocker. Auszeichnungswürdig sei, "was gesellschaftliche Probleme gelöst oder eine Verbesserung im Machtverhältnis zwischen Bürger und Obrigkeit gebracht hat", so Stocker. Die vielfältigen Projekte, die in die "Digital Communities"-Kategorie fallen, seien beispielsweise im E-Government, den Multi User-Communities oder bei innovativ eingesetzten Internet-Technologien zu finden.

So seien etwa kleine Dörfer in Indien, die aus Kostengründen kaum vernetzbar sind, durch den Postbus ans Internet angebunden worden, schilderte Stocker: In dessen rückwärtigem Teil wurde ein Satelliten-Uplink eingebaut. Jedes Mal, wenn der Bus im Dorf ist, können die Bewohner online gehen. Die Jury für die "Digital Communities"-Kategorie weist bekannte Namen wie Howard Rheingold oder Oliviero Toscani auf. Die Einreichfrist läuft von 12. Jänner bis 12. März, die Gewinner werden im Mai bekannt gegeben.

"[The Next Idea]"

Ebenfalls erweitert werden die Förderungen für die jungen Computerkünstler. Waren seit 1998 schon die Teenager mit dem U19-Bewerb vertreten, haben ab 2004 auch die 19- bis 27-jährigen Computerkünstler mit dem Stipendiumbewerb "[The Next Idea]" einen eigenen Bereich. Der Sieger erhält eine Förderung in Höhe von 7.500 Euro und einen Aufenthalt als Artist in Residence im Ars Electronica Futurelab.

Insgesamt werden sieben Goldene Nicas sowie Auszeichnungen und Anerkennungen in sechs Kategorien vergeben. In den 18 Jahren ihres Bestehens gab es bei der Auszeichnung 24.800 Einreichungen von 17.000 Künstlern, schilderte Co-Leiterin Christine Schöpf. (APA)